Andheri Hilfe
Jubiläumskampagne

Wir sind Veränderer!

Wir sind Veränderer!
Wir präsentieren während unseres Jubiläumsjahres jede Woche eine wichtige Person aus Indien oder Bangladesch. Sie haben in ihrem Bereich eine positive Veränderung bewirkt und ohne sie könnten wir die wertvolle Arbeit vor Ort nicht leisten!

"Was müssen die bloß verbrochen haben, dass die Götter sie mit einem solchen Kind strafen!"

„Ich war ein junger, erfolgreicher Uni-Professor. Physik war meine Leidenschaft. Als ich gefragt wurde, ob ich das Institut für Rehabilitationswissenschaften leiten wolle, ahnte ich nicht, dass dies mein Leben so radikal verändern würde. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftigte, je schockierter war ich: Kinder mit Behinderungen wurden als Strafe der Götter betrachtet und deshalb im Haus versteckt; Behinderte wurden angekettet oder in Erdlöcher gesteckt, während die Eltern zur Arbeit gingen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Hilflosigkeit. Hilfe gab es damals in der Tat kaum – höchstens für die wenigen Reichen. Deshalb war für mich klar: Was immer es an großartigen Hilfsmitteln und Therapien gibt: Wenn es nicht auch für die armen Familien in den Dörfern taugt, dann ist das nichts für mich! Statt feinster Hörgeräte – unerschwinglich für eine arme Familie – entwickelte ich selbst robuste Hörgeräte: sehr preiswert und wartungsarm. Eine Zeichensprache in unserer Muttersprache Tamil  zu entwickeln, war eine echte Herausforderung! Pädagogische Materialien stellten wir aus Müll her. Und wir warteten nicht auf gut ausgebildete Fachkräfte (die es niemals in ausreichender Zahl im ländlichen Gebiet geben wird), sondern wir bildeten selbst aus: vor allem Familienangehörige. Heute fördern wir jedes Jahr mehr als 4.500 Menschen mit Behinderungen. Übrigens: Ich spreche nicht gerne von „Disabled“ („Menschen mit Behinderungen“); für mich sind sie „Differently abled“ („Menschen mit anderen Fähigkeiten“)! “

Prof. Prabakar hat gemeinsam mit der ANDHERI HILFE seit den 90er Jahren immer neue Modellprojekte für die Arbeit mit Kindern „mit anderen Fähigkeiten“ entwickelt.
 

(Woche 20)

"Jack-Früchte zu essen ist unter unserer Würde. Wir können uns hochgezüchtetes und gut gedüngtes Obst und Gemüse leisten."

„Das war wahrlich nicht einfach, die Menschen zu überzeugen, dass sie in eine folgenschwere Falle getappt waren. Einstmals war Kerala für seinen Reichtum an vielfältigen Nahrungs- und Heilpflanzen bekannt. Doch dann ging es nur noch um das schnelle Geld durch Monokulturen. Düngemittel und Pestizide versprachen Erfolg. Die Folge: Schäden der Böden, fehlende Grundnahrungsmittel. Shantigram begann – gemeinsam mit ANDHERI HILFE – gegenzusteuern. Ich selbst bekam 2002 – nachdem ich 16 Jahre lang als Ehefrau quasi im Haus eingesperrt war – die Chance, hier mitzuarbeiten. Das war wie eine Befreiung! Mit zahlreichen Trainings wurde ich von der schüchternen Hausfrau zu einer gefragten Ausbilderin. Ich motiviere die Menschen, ihre Felder – und seien sie auch noch so klein – optimal zu nutzen: auf ökologische Anbaumethoden, lokal angepasstes Saatgut und vielfältige, gesunde Nahrungsmittel zu setzen. Und wieder alte Heilpflanzen zu kultivieren! Der Überschuss kann dann immer noch verkauft werden. Die Kleinfarmer selbst und viele Besucher_innen – auch von staatlichen Stellen und Medien – stehen heute sprachlos vor diesem „grünen Wunder“! Die Modelle, die wir von Shantigram gemeinsam mit ANDHERI HILFE geschaffen haben, finden heute Nachahmung im ganzen Bundesstaat Kerala. Und übrigens: die nahrhaften Jack-Früchte sind heute wieder absolut ‚in‘!“

Suja aus dem Dorf Moonnumukku im südindischen Bundesstaat Kerala fördert seit 14 Jahren mit großem Engagement die neuen kleinbäuerlichen grünen Oasen.
 

(Woche 19)

"Eine neue Generation starker junger Frauen braucht es!"

„Alles begann mit der Gründung einer Frauengruppe in meinem Dorf vor neun Jahren. Hier konnten wir zum ersten Mal offen über Themen sprechen, die uns unter den Nägeln brannten. Und nach Lösungen suchen. Hier sparten wir auch gemeinsam und halfen uns bei Bedarf mit Kleinkrediten. Endlich unabhängig von den Geldverleihern und ihren Wucherzinsen! Nach einigen Jahren gründeten wir mit Unterstützung der ANDHERI HILFE sogar eine eigene Frauenbank: eine ganz neue Dimension für uns Dorffrauen, die meisten Analphabetinnen! Mit einem Kleinkredit kaufte ich mir ein kleines Stück Land, Saatgut und einfache Geräte für meine neue Arbeit als Kleinbäuerin. Mit dem ersten verdienten Geld zahlte ich den Kredit zurück, sparte weiter, nahm dann einen neuen Kredit auf, um Kühe zu kaufen. Und um die Ausbildung meiner Töchter zu finanzieren! Mit den anderen Frauen aus den Selbsthilfegruppen gründeten wir eine Milchkooperative: Gemeinsam können wir unsere Milch für einen guten Preis an eine Molkerei verkaufen. Heute ist dies eine wichtige Einkommensquelle für uns alle. Und wir sind uns einig: Wir setzen alles daran, dass unsere Töchter eine gute Ausbildung oder ein Studium machen können. Wir wollen, dass eine neue Generation starker, selbstbewusster Frauen heranwächst!“

Muni Aththa ist Mitglied der von ANDHERI HILFE und ihrer indischen Partnerorganisation Rural People Education and Development Centre geförderten Frauenbank in ihrem Heimatdorf Edaiyur im südindischen Tamil Nadu.

(Woche 18)

"ANDHERI HILFE hat eine helle Fackel angezündet, die ich voll Dankbarkeit weitertragen will!"

Meine Kindheit war ein einziger Kampf ums Überleben. Die Armut unserer Familie erdrückend. Ich fühlte mich wie ein Ertrinkender im Meer. Keine Perspektive. Nur Frustration. Doch dann hörte ich, ganz in der Nähe würde ein mobiles Ausbildungszentrum aufgebaut – für Jugendliche wie mich. Ohne Schulabschluss. Ohne finanzielle Möglichkeiten. Dank der Spenden aus Deutschland und der ANDHERI HILFE würden junge Menschen aus ärmsten Familien kostenlos ausgebildet. Ich meldete mich sofort – und bekam eine Zusage! In dem sechsmonatigen Kurs wurde ich zum Elektriker ausgebildet. Diese sechs Monate – und die finanzielle Starthilfe zum Aufbau meiner eigenen kleinen Werkstatt – haben mein Leben komplett verändert. Aus Dankbarkeit will ich diese „helle Fackel“ weitertragen: Ich gebe anderen Jugendlichen, die wie ich keine Schule abschließen und keinen Beruf erlernen konnten, die Chance in meiner Werkstatt ein „On-the-job-Training“ als Elektriker zu machen. An Jungs, wie ich selbst einer war.“

Saheen Hossain ist heute 28 und lebt in Boddhopur, einem Dorf in Bangladesch. Er ist einer von tausenden jungen Menschen aus ärmsten Familien, die durch das von ANDHERI HILFE geförderte Mobile-Trade-School-Projekt eine Berufsausbildung machen konnte.

(Woche 17)

"Ich darf mir gar nicht ausmalen, was aus mir geworden wäre ohne Hilfe zur rechten Zeit!"

Ich war eines der ersten Müllkinder - von Zuhause weggelaufen und auf der Straße der Großstadt gestrandet - die vom ANDHERI HILFE Partner Karunalaya gerettet wurden. Das war 1999, und ich war gerade mal 15 Jahre alt. Zu alt, um nochmal die Schulbank zu drücken. Dafür hatte ich viel zuviel verpasst. Aber mit Unterstützung der ANDHERI HILFE konnte ich den Führerschein für eine Autorikscha machen, Sie wissen schon: diese kleinen, dreirädrigen Gefährte, das "Taxi der kleinen Leute". Heute bin ich verheiratet und stolzer Vater von zwei Kindern. Und ich tue das, was ANDHERI HILFE für mich getan hat, als ich ohne Zuwendung und Schutz auf der Straße lebte. Als Fahrer bringe ich vor allem Kinder aus dem Staßenkinderzentrum sicher zur Schule. Und als "Street Worker" bin ich am Bahnhof unterwegs und kontaktiere die Jungs, die gerade neu in der Stadt ankommen. Sie fassen Vertrauen, weil sie spüren, ich teile meine eigene Geschichte mit ihnen. Und kann ihnen echte Hilfe anbieten. Aus tiefstem Herzen danke ich der ANDHERI HILFE und allen Spender_innen in Deutschland! Möge ANDHERI HILFE Wunder wirken im Leben von noch viel mehr Straßenkindern!"


Hari ist heute 33 Jahre alt und arbeitet als "Child Rescue Staff" bei Karunalaya (Zentrum für Straßenkinder und Kinderarbeiter).

(Woche 16)

„Aber was soll denn aus unserer Tochter werden, wenn bekannt wird, dass sie vergewaltigt wurde?“

Das war der Wendepunkt in meiner Arbeit mit den Frauen im Dorf, als ein 8-jähriges Mädchen missbraucht und schwer verletzt wurde. Die Eltern schämten sich, sie zum Arzt zu bringen – aus Angst, dass ihre Tochter dann für immer als geschändet gebrandmarkt sein würde. Ich selbst war mit 13 verheiratet worden, hatte mit 18 schon drei Kinder. Die Schule hatte ich aufgeben müssen – ebenso wie meine Träume. Aber jetzt, mit 35, wurde mir klar, dass sich nie etwas ändert, wenn wir Frauen brav die uns zugeschriebenen Rollen erfüllen und uns in unseren Gruppen vor allem mit Kleinspar- und Kreditprogrammen befassen. Dieser Missbrauch des kleinen Mädchens hat uns alle zu Kämpferinnen gemacht. Auch wenn Hilfesuchende manchmal sogar nachts an meine Tür klopfen, ich bin so froh, dass ich diesen Frauen helfen kann. Und ich bin stolz, heute sagen zu können, dass es in unserem Distrikt – ganz im Gegensatz zu den Nachbardistrikten – kaum noch Fälle von Vergewaltigungen, Hexenverfolgung, Kinderheirat und Menschenhandel gibt! Und doch haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, bis wir die Gleichberechtigung der Frauen erreicht und jegliche Diskriminierung von Frauen ausgemerzt haben.

Roshan Ara ist eine der engagierten Mitarbeiterinnen von Chotanagpur Sanskritik Sanghi: Die ANDHERI HILFE fördert die Arbeit dieser Organisation in Ranchi, Jharkhand/Indien.

(Woche 15)

„Ihr könnt doch im modernen, aufstrebenden Indien des 21. Jahrhunderts nicht mehr wie Wilde in den Wäldern leben!“

Ja, es stimmt: Bis vor wenigen Jahren lebten wir als Jäger und Sammler in den Wäldern, als Nomaden, weil wir von Mutter Erde nie zu viel nehmen wollten. Wie unsere Vorfahren seit Jahrtausenden. Und dann verlangte die Regierung, dass wir sesshaft werden. Sie gaben uns 70 Yanadhi-Familien winzige Landparzellen, gerade genug für unsere einfachen Lehmhütten. Doch wovon sollten wir leben? Als wir rund um unsere Hütten ein wenig Getreide anbauten, wurde unsere Ernte zerstört. CAMEL-Mitarbeiter_innen wurden unsere Rettung: Sie klärten uns über unsere Rechte auf, machten uns Mut. Gemeinsam beschlossen wir, für ein Stück Land zu kämpfen, einfach zum Überleben. Mich, Thupakula Ankaiah, wählten sie zu ihrem Führer. Alle Anträge brachten aber nichts. 2009 entschlossen wir uns dann zu einem drastischen Schritt: 100 Yanadhis setzten sich vor das Regierungsbüro und ich erklärte unseren „Hungerstreik bis zum Tod". Was für ein Kampf folgte in den nächsten Jahren – gar nicht so sehr mit den Regierungsleuten sondern mit den Großgrundbesitzern! 2016 - am Tag der indischen Unabhängigkeit, dem 15. August – wurden wir endlich stolze Landbesitzer!

 

Thupakula Ankaiah ist unser Veränderer der Woche. Die ANDHERI HILFE fördert gemeinsam mit der Partnerorganisation CAMEL Adivasi (indigene Bevölkerungsgruppen) im Südosten Indiens, damit sie sich ein Leben in Würde aufbauen können.

(Woche 14)

„Ein Mädchen aus dem Slum will studieren? Arbeiten soll sie!“

Ich kann meiner Mutter gar nicht genug danken, dass Sie mir die Möglichkeit gibt zu studieren! Als drittes Kind in der Familie – das zweite Mädchen dazu! – meine Mutter Dienstmagd und mein Vater nach einem Unfall arbeitsunfähig, konnte ich darauf wahrlich nicht hoffen. Zu verdanken habe ich das auch der ANDHERI HILFE-Partnerorganisation CWDR: Sie haben die Hausangestellten-gewerkschaft gegründet, in der meine Mutter den Mut und die notwendige Hilfe fand, uns drei Kindern ein Studium zu ermöglichen. Und wir, die Töchter der Hausangestellten, haben uns ebenfalls zusammen geschlossen. In unseren „Snehidi"-Gruppentreffen diskutieren wir über alles, was uns wichtig ist: von Bildungschancen für Mädchen bis zu sexualisierter Gewalt. Ich leite inzwischen selbst eine Gruppe und unterstütze die jüngeren Mädchen dabei, die Schule gut zu schaffen. Großen Erfolg haben wir auch mit unserer Tanz- und Theatergruppe: über unsere Vorführungen können wir auch sensible Themen in der Öffentlichkeit ansprechen. Uns ist es ein Herzensanliegen, dass kein Mädchen mehr vor 21 Jahren verheiratet wird und dass jedes Mädchen eine Ausbildung oder ein Studium machen kann! Dafür kämpfen wir!

 

Die 18-jährige Vishali lebt mit ihrer Familie im Bharathinagar Slum in Chennai und die ANDHERI HILFE Partnerorganisation CWDR ermöglicht ihr durch Übernahme der Gebühren ihr Studium.

(Woche 13)

„Eine Frau im Gemeinderat? Wo gibt’s denn so was?!“

Das war eine unglaublich harte Zeit, als ich begann, an Treffen der ANDHERI-Partnerorganisation USS teilzunehmen und sogar eine eigene Frauengruppe aufbaute. Arm wie meine Familie war, hatte ich kaum zur Schule gehen können, war früh verheiratet worden – mit dem arbeitslosen Mihir Kumar. Mit meinem Einkommen als Teepflückerin musste ich die sechsköpfige Familie ganz allein durchbringen.  

Die Frauengruppe gab mir erstmals Hoffnung auf ein besseres Leben. Dass ich besondere Führungsqualitäten habe, das hatte ich bis dahin selbst nicht geahnt. Doch im Laufe der Zeit baute ich acht weitere Frauengruppen auf, setzte mich für Latrinenbau, sauberes Trinkwasser und Schulbesuch aller Kinder ein. Gleichzeitig konnte ich dank des Spar- und Kleinkreditprogramms unserer Gruppe einen eigenen Laden aufbauen, wo mein Ehemann endlich wieder Arbeit fand. Nach und nach konnten wir auch fünf Kühe kaufen. Jetzt reicht unser Familieneinkommen, dass wir sowohl unserem Sohn als auch unserer Tochter den Schulbesuch ermöglichen können! Und stellen Sie sich vor: 2016 wurde ich – als Frau! – in den Gemeinderat gewählt. Jetzt kann ich noch mehr bewirken zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Ärmsten!

 

Kavita Karmaker lebt im Phoolbari Teegarten im Nordosten von Bangladesch, wo die ANDHERI HILFE gemeinsam mit der Partnerorganisation USS ein integriertes Entwicklungsprojekt fördert.

(Woche 12)

„Ich schwöre es: Ich werde meine Tochter Rajeswari der Göttin weihen, wenn sie nur wieder gesund wird!“

Ich war sieben und schwer krank, als meine Mutter diesen Schwur tat, von dessen Bedeutung ich nicht die leiseste Ahnung hatte. Ohnedies verstand ich so vieles nicht. Wieso waren wir keine normale Familie, wieso schauten die Leute im Dorf meine Mutter, meine Brüder und mich oft so böse an? Dabei konnte meine Mutter so schön tanzen. Bei den großen religiösen Festen wurden ihre Darbietungen bewundert und man sagte sogar, sie sei eine Mathamma, eine Stellvertreterin der Göttin. Als meine Mutter mich dann mit 11 der Göttin weihen wollte, da intervenierten Nune Vengaiah und seine Mitarbeiter_innen von DUTIES vehement. Ich verstand erst nach und nach, dass sie mich vor einer lebenslangen Zwangsprostitution retten wollten – dem Schicksal meiner Mutter.

Nune Vengaiah war es auch, der mich ermutigte, die Schule zu besuchen – auch wenn ich es manchmal kaum ertragen konnte, wie die anderen Kinder mich hänselten und misshandelten. Aber ich habe es geschafft – sogar einen Bachelor-Abschluss. Es erfüllt mich mit Freude, als Krankenschwester Menschen helfen zu können und damit gleichzeitig meine Familie zu unterhalten. Und nebenher arbeitete ich ehrenamtlich bei DUTIES: um anderen Töchtern von Mathammas Mut zu machen: „Gleich wo Ihr herkommt, nehmt Euer Leben in die Hand und macht was draus!"

Seit mehr als 20 Jahren kämpfen DUTIES und ANDHERI HILFE gemeinsam gegen die religiös verbrämte Zwangsprostitution in Andhra Pradesh/Indien. (Woche 11)

„Ihr solltet alle verflucht sein und elendig an der Lepra verrecken!“

So viel Hass hatte ich noch nie erlebt. Und hier schon gar nicht erwartet. Schließlich war ich voll von gutem Willen in diese menschenunwürdige Ansammlung von Hütten gekommen, um den Leprakranken dort Hilfe zu bringen. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich verstand, dass das Ausgestoßenwerden von der Gesellschaft, sogar von der eigenen Familie, diese Menschen noch mehr leiden ließ als die Krankheit selbst. Und es brauchte ebenso lange, bis diese Menschen auch nur einen Hauch von Vertrauen zu mir fassten, mir wenigstens zuhörten; bis sie mir erlaubten, eine Ärztin mitzubringen; bis sie glauben konnten, dass die Medikamente, die sie ihnen verschrieb, sie wirklich heilen konnten. Nach zwei Jahren waren alle Patienten geheilt – wenn auch die Spuren der Krankheit, die Verstümmelung der Gliedmaßen, für immer sichtbar bleiben würden. Gemeinsam mit der ANDHERI HILFE gingen wir die nächsten wichtigen Schritte: winzige Strohhütten wurden durch feste Häuser ersetzt, Toiletten und ein kleines Gesundheitszentrum gebaut. Und schließlich wurden Einkommensprojekte gestartet, z.B. ein Fischteich angelegt. Niemand ist heute mehr zum Überleben aufs Betteln angewiesen! Stolz nennen die Menschen Ihr Dorf: „Navajeevan Nagar" – „Neues Leben"

Emmanuel Pathil: Mit ihm begann die ANDHERI HILFE Anfang der 1990er Jahre ihre Arbeit mit Leprakranken in Osten Indiens (Woche 10)

„Was willst Du denn bewirken bei mehr als einer Million Blinder!“

Ich hatte Glück. Konnte meine Facharztausbildung in Augenheilkunde in London machen. Doch als meine Heimat 1971 endlich zu einem freien Land wurde, BANGLADESCH „geboren wurde", da hielt mich nichts mehr. Aber mein Enthusiasmus wurde in einer staatlichen Klinik schnell gebremst: viel zu wenig Ärzte, zu wenig Infrastruktur und viel zu viele Blinde - mehr als eine Million! Die allermeisten von ihnen viel zu arm, um einen Arzt zu bezahlen – und viel zu weit weg von der Stadt und damit den wenigen Augenärzten. Ich hatte einmal mehr Glück: Rosi Gollmann, die engagierte Gründerin der ANDHERI HILFE, besuchte unser armes Land und war ebenso wie ich davon beseelt, den Menschen zu helfen, die unsere Hilfe am meisten brauchen. Und so ließen wir uns von der Größe der Herausforderung nicht abschrecken, sondern begannen einfach mit der Sammlung von Spenden und der Operation des ersten Patienten. Was wir seitdem gemeinsam erreichen konnten, das hat unsere damaligen Träume noch übertroffen: Hunderte von Augenärzten und Pfleger_innen haben wir ausgebildet, acht Augenhospitäler aufgebaut und weitere Zentren zur augenärztlichen Grundversorgung, unsere Eye-Camps in den entlegenen ländlichen Gebieten wurden berühmt. Mehr als 1,3 Millionen Licht bringende Operationen haben wir ermöglichen können! Und wir machen weiter!



Professor Rabiul Husain, Augenarzt und „ANDHERI-Partner der ersten Stunde" in Bangladesch

(Woche 9)

"Adivasi sind nun einmal hinterwäldlerisch!"

Ich weiß, wie man über uns redet, die Adivasi, die immer noch - wie viele Generationen vor uns - in den Wäldern leben. Naiv und ungebildet - das sind nur einige der Attribute, die uns zugeschrieben werden. Meine Eltern konnten tatsächlich nicht zur Schule gehen: Es gab einfach keine! Trotzdem wissen meine Eltern sehr viel! Zu meiner Kinderzeit starteten SAPID und ANDHERI HILFE erstmals einen Kindergarten in meinem Dorf. Ich liebte das Singen, Spielen und Lernen! Doch wie sollte es weitergehen? Eine Schule gab es nach wie vor nicht. Meine Lehrerin ermutigte meine Eltern, mich in ein Internat zu schicken, wo Adivasi-Kinder kostenlos unterrichtet werden. Das war nicht einfach - weder für meine Eltern noch für mich. Doch meine Lehrerin besuchte mich regelmäßig und half mir sehr. Sie förderte mich die ganze Schulzeit über, bis ich mein Studium der Informationstechnik erfolgreich als Bachelor abschloss. Heute arbeite ich als Datenanalystin bei Google und verdiene richtig gut. Für viele Jugendliche in meinem Dorf bin ich zum Vorbild geworden. Mir ist es wichtig, dieses "moderne" Leben zu leben und dabei meine Wurzeln dennoch zu bewahren: regelmäßig besuche ich meine Familie, fördere meine jüngeren Geschwister und ermutige die Kinder und Jugendlichen in unserem Dorf: Ihr habt viele Talente! Nutzt sie!



Sodi Rajeshwari: aus dem Adivasi-Dorf in die Welt der Computer und Datananalysten (ANDHERI HILFE Projekt mit der Partnerorganisation SAPID im indischen Bundesstaat Andhra). (Woche 8)

„Du bist jetzt verheiratet. Du gehörst ins Haus und bist Eigentum Deines Mannes!“

Ich war erst 15, als ich verheiratet wurde. Gerade hatte ich die 10. Klasse beendet und so viele Träume. Ende aus. Das war’s, so schien es. Doch dann hörte ich vom CHOLAI-Projekt: Meine Freude war riesig, als ich im Kinderzentrum als Lehrerin arbeiten durfte und 22 Kinder der Steinbruchfamilien unterrichten konnte. Ich hab’s geschafft, dass die Regierung jetzt dieses Zentrum weiterführt! Und in der staatlichen Schule endlich Toiletten gebaut hat, denn vorher brachen viele Mädchen die Schule ab. In 10 Dörfern leben Familien, die auf Suche nach Arbeit hierher migriert sind und in den Ziegelbrennereien für Hungerlöhne schuften. Ihre Kinder arbeiteten von klein auf mit. Ich begann, sie am Abend zu unterrichten. Schließlich erreichte ich es, dass die Regierung sog. „Brückenkurse“ finanzierte und heute gehen alle Kinder dieser 10 Dörfer zur Schule! Damit die Familien ohne das Einkommen der Kinder durchkommen, brauchen sie natürlich alternative Einkommensmöglichkeiten. Deshalb unterrichte ich Frauen in der „Women Business School“: 127 Frauen habe ich bereits in der Herstellung von Modeschmuck ausgebildet und 82 von ihnen sind heute erfolgreiche Kleinunternehmerinnen! Ich bin stolz und glücklich, zu solchen Entwicklungen beitragen zu können!


Samundeeswari (Samu) befreite im ANDHERI HILFE-CHOLAI-Projekt alle Kinderarbeiter in 10 Dörfern in Tamil Nadu/Südindien (Woche 7)

„Lass uns versuchen zu fliehen! In diesem Gefängnis gehen wir zugrunde!“

Immer wieder waren diese Stimmen zu hören, wenn wir wieder einmal von früh bis spät in der Reismühle schuften mussten und die Aufseher uns drangsalierten, als seien wir Sklaven. Es gab nur eine Mahlzeit pro Tag. Wir waren schwach, unsere Kinder oft krank. Wir lebten in armseligen Behausungen. Es war, als seien wir im Gefängnis. Aber: Wenn wir fliehen würden, wovon sollten wir leben? Außerdem fürchteten wir uns vor der drohenden Bestrafung. Doch ein Mann aus unserer Mitte konnte entwischen. Er setze sich mit HELP in Verbindung und zwei Tage später wurden wir – alle 30 Familien – von der Polizei befreit. Es war ein langer, steiniger Weg, bis wir mit Unterstützung von HELP und ANDHERI HILFE unsere eigene Ziegelkooperative aufgebaut haben. Aber wir schafften es! Heute leben wir in Freiheit und sehen unsere Kinder sicher und glücklich aufwachsen.


Ravi, ehemaliger „Schuldknecht“ und heute stolzer Teilhaber einer Ziegelkooperative in Tamil Nadu/Südindien
(Woche 6)

„Wir müssen es eben hinnehmen, dass Mütter und Neugeborene sterben!“

Ich hielt es einfach nicht mehr aus! Immer wieder dieser stumme Schmerz, wenn wieder einmal eine junge Mutter bei der Geburt starb - oder aber ihr Baby - oder beide. Ich sprach mit den Frauen im meiner Frauengruppe. Ja, es stimmt, unsere Dörfer sind so abgelegen, dass kein Arzt hierher kommt. Umgekehrt ist auch der Weg in das nächste Krankenhaus kaum zu schaffen, wenn es bei einer Geburt kritisch wird. Aber ich hatte eine andere Idee: Wenn ich, Bobita, eine Frau aus ihrem Dorf, als Hebamme ausgebildet wäre, dann könnte ich diesen Frauen jederzeit helfen. Schließlich lebe ich mit ihnen hier, in ihrem Dorf. Die Frauen unterstützten mich uns so wurde ich im ANDHERI HILFE Projekt der SKS-Foundation als Hebamme ausgebildet. Ich untersuche die Frauen regelmäßig während der Schwangerschaft, gebe ihnen - und ihren Familien - wichtige Hinweise, worauf sie achten müssen. Natürlich kann ich keinen Arzt ersetzen, aber ich kann erkennen, wenn eine schwierige Geburt bevorsteht. In diesen Fällen kann ich die Frau rechtzeitig in die nächste Klinik bringen. Inzwischen kennen mich die Ärzte und Klinikmitarbeiter in der ganzen Region. Wenn Bobita eine Patientin an sie überweist, dann funktioniert das. Sie wissen, dass ich mich auskenne, was uns gemäß staatlichen Gesundheitsprogrammen zusteht! Ich bin zutiefst dankbar, immer und immer wieder das Leben von Frauen und Neugeborenen retten zu können!

Bobita, Hebamme aus Bangladesch

(Woche 5)

"Du bist so schwarz wie ein Rabe!" "Nein, der sieht aus wie Rabenscheiße!"

"Rabenscheiße", so haben mich Mitschüler und Lehrer tagein, tagaus geschimpft - meine ganze Schulzeit lang. Bei Sport und Spiel durfte ich nicht mitmachen, doch wenn die Toiletten zu reinigen waren, dann war ich derjenige, der gerufen wurde. Ich wäre daran zerbrochen, hätte ich mir nicht einen inneren Panzer aus Stahl zugelegt. Millionen Dalit, "Unberührbare", zerbrechen an derartiger Diskriminierung. Doch ich wollte mir diese Chance, überhaupt zur Schule gehen zu können, nicht entgehen lassen. Ich habe gelernt zu kämpfen - ohne Gewalt aber mit nie endender Zähigkeit. Dennoch hätte ich mir nie erträumen lassen, was wir erreicht haben: Im gesamten Distrikt Tumkur im Südwesten Indiens gibt es heute so gut wie keine Diskriminierung von Dalits mehr! Und wir nennen uns auch nicht mehr Dalits (die Zerbrochenen), sondern Adijan, "die ersten Bewohner". Wir haben erstmals zu unserer Würde gefunden! Und gelernt, unsere Rechte einzufordern, z.B. das uns entwendete Land wieder erkämpft. Das ist unsere Lebensgrundlage. "Mutter Erde" gehört uns nicht, doch sie ist unsere Lebensspenderin!

M.C. Raj, Tumkur/Südwestindien
(Woche 4)

"Bilde Dir ja nicht ein, dass jemals etwas anderes aus Dir wird als eine Dienstmagd!"

"Bilde Dir ja nicht ein, dass jemals etwas anderes aus Dir wird als eine Dienstmagd!" Wie oft habe ich diesen Satz als Kind gehört! Schon als kleines Mädchen musste ich im Haushalt einer reichen Familie schuften. Für ein paar Rupien - und die Essensreste. Vom Besuch einer Schule konnte ich nicht einmal träumen. Ich glaubte, was man mir sagte: Ich war für ein Leben als Dienstmagd bestimmt.
Doch dann kamen Frau Renuka vom Centre for Women's Development and Research und die ANDHERI HILFE in mein Leben. Zum ersten Mal hörte ich etwas von Frauenrechten, Menschenrechten, Regierungsprogrammen, Fördermöglichkeiten. Ich habe alle Informationen förmlich aufgesogen. Es hat mich fasziniert zu erfahren, dass es Möglichkeiten gibt, mein Leben und das so vieler meiner Leidensgenossinnen zu verändern. Seit 15 Jahren bin ich jetzt dabei, und stellen Sie sich vor: Ich bin inzwischen die Leiterin der ‚Hausangestelltengewerkschaft' und vertrete damit die Rechte von mehr als 5.000 Slumfrauen! Wir haben bereits so viel erreicht: eine Verdoppelung unserer Löhne, staatliche Zuschüsse bei Unfall oder der Geburt eines Kindes. Wir setzen uns auch vehement gegen Gewalt an Mädchen und Frauen ein. Und meinen beiden Töchtern habe ich den Schulbesuch ermöglicht, so schwer das auch war. Beide haben sogar studiert. Ich bin sehr stolz!

 

Yamuna, Leiterin der Hausangestelltengewerkschaft in Chennai/Südindien
(Woche 3)

“Wenn Du meinst, Du willst mit den Adivasi* arbeiten, dann leb’ erst einmal ein Jahr lang mit in ihren Lehmhütten mitten im Wald!”

*Adivasi = indigene Bevölkerungsgruppen

Ganz ruhig klang die Antwort meines Vaters, als ich – die junge Studentin aus der Stadt – nach meinem ersten kurzen Aufenthalt in Adivasidörfern nach Hause kam und voller Enthusiasmus erklärte, ich wolle mit diesen Menschen arbeiten. Und was tat ich? Genau das, was mein Vater mir geraten hatte! Ich ging in die Adivasidörfer und lebte mit diesen Menschen! Inzwischen habe ich mein halbes Leben dort verbracht! Allerdings war ich weitsichtig genug, zunächst mein Jurastudium abzuschließen, denn so kann ich die Adivasi am wirkungsvollsten unterstützen: In ihrer Heimat am Godavari Fluss ist nämlich ein gigantischer Staudamm geplant. Mehr als 400 Dörfer werden für immer in den Fluten verschwinden. Mehr als 300.000 Menschen, die hier ihre Heimat haben, die hier verwurzelt sind, droht die Vertreibung – besonders jenen, die keine schriftlichen Landdokumente besitzen. Wir haben es jetzt geschafft, tausenden Familien die ihnen zustehenden Besitzurkunden für ihr Land zu erstreiten. Das wird sie wohl nicht vor der Vertreibung retten. Aber wenigstens haben sie jetzt eine reelle Chance auf eine angemessene Umsiedlung. So bleibt meine Hoffnung, dass sie nicht auf den Straßen der Metropolen enden, sondern sich und ihren Kindern ein Leben in Würde aufbauen können. Ich bleibe an ihrer Seite!

 

ANDHERI HILFE Partnerin Meera Khader, SAPID (Study Action Group for Participative Integrated Development), Hyderabad/Indien  (Woche 2)

"Du bist ein Träumer, wenn Du denkst, dass Du die Kinder aus den Steinbrüchen befreien kannst!"

Seit ich zum ersten Mal 5-, 6-jährige Kinder im Staub und Lärm eines Steinbruchs Steine klopfen sah und begriff, dass sie dies jeden Tag 10, 12 Stunden lang tun mussten um zu überleben, da schwor ich mir: Ich will es schaffen, diese Kinder in die Schule zu bringen! ANDHERI HILE machte mir Mut! Ich fing an mit Kindergärten für die Kleinsten, damit die Mütter sie nicht mit in den Steinbruch nehmen mussten; dann mit dem Angebot, dass die Kinder wenigstens am Abend 2-3 Stunden etwas lernen durften. Förderung der Eltern zur Verbesserung ihres Einkommens schaffte die Voraussetzung, dass die wenigen Cents, die die Kinder verdienten, nicht mehr überlebensnotwendig waren. Jugendlichen haben wir zu einer Berufsausbildung verholfen. Heute sind unsere Kinderparlamente Vorbild für viele! Und als eine Dokumentarfilmerin zur Illustration des Erreichten ein oder zwei Kinderarbeiter zeigen wollte, da musste ich passen: In unserer ganzen Region im Distrikt Kancheepuram gibt es nicht mehr ein einziges Kind im Steinbruch oder anderer gefährlicher Arbeit!

 

ANDHERI HILFE Partner Devanbu, ACDS (Association for Community Development Services), Kancheepuram/Südindien (Woche 1)