Andheri Hilfe
Jubiläumskampagne

Wir sind Veränderer!

Wir sind Veränderer!
Wir präsentieren während unseres Jubiläumsjahres jede Woche eine wichtige Person aus Indien oder Bangladesch. Sie haben in ihrem Bereich eine positive Veränderung bewirkt und ohne sie könnten wir die wertvolle Arbeit vor Ort nicht leisten!

„Junge, wir brauchen jede Rupie zum Überleben – wir können Dir kein Studium ermöglichen!“

Ich war 17, kurz vor dem Schulabschluss, und wollte so gerne studieren. Aber ich konnte meinen Vater verstehen. Wir waren zwölf Kinder. Damals, in den 1960er Jahren, war das keine Seltenheit. Wir bewirtschafteten ein Stück Land, doch 80 % des Ernteertrages mussten wir als Pacht abgeben. Mein Vater schuftete ohne Ende, versuchte, dem Land eine dritte Ernte pro Jahr abzuringen, damit wir nicht zu sehr Hunger leiden mussten. Er brauchte mich auf dem Feld. Ich verstand. Und wehrte mich innerlich doch. Dann kam ANDHERI HILFE mit dem ersten Entwicklungsprojekt. Die große Chance meines Lebens! Ich konnte meine Ausbildung im landwirtschaftlichen Bereich machen, schließlich sogar ein Studium. Ich erkannte, was alles möglich ist durch Wassermanagement und angepasste Landwirtschaft. Ich brannte ich darauf, mein Wissen mit den Kleinbauern zu teilen. In einem Projekt des DISHA-Trust – wieder finanziell gefördert von der ANDHERI HILFE – kann ich mein Engagement voll einbringen. Es ist eine wunderbare Erfahrung für mich, dass ich inzwischen tausende von Kleinbauern in Karnataka unterstützen konnte, ihre Felder besser zu nutzen, so dass sie Überlebenschancen in ihrer Heimat haben – und ihren Kindern Bildungsmöglichkeiten geben können!

 

Henry Valder konnte mit Spenden aus Deutschland eine landwirtschaftliche Ausbildung machen. Seit über 40 Jahren ist er mit der ANDHERI HILFE verbunden: die meiste Zeit als Mitarbeiter in Projekten mit Kleinbauern in Karnataka/Westindien.

 

(Woche 44)

„Ich bin so froh und dankbar, dass meine Mutter anders ist als mein Vater; dass sie sich nicht erhängt hat.“

Das werde ich nie vergessen, wie der Junge diesen Satz sagte. Es war in einem unserer Seminare für Witwen und ihre Kinder: Menschen, die ihren Mann, ihren Vater verloren hatten, weil er sich umgebracht hatte. Bei uns hier im indischen Bundesstaat Maharashtra leider kein Einzelfall. Fällt die Ernte wieder einmal aus, werden Schulden und Wucherzinsen zu einem unüberwindbaren Berg, dann wissen die Männer aus Verzweiflung oft keinen anderen Ausweg. Nach einem Beitrag im deutschen Fernsehen wollten viele Deutsche helfen, spendeten Geld. Doch damit allein ist es nicht getan. Wie kann eine Frau, die nicht nur ihren Mann gerade auf grausame Weise verloren hat, sondern in der indischen Gesellschaft damit quasi kein Recht mehr hat zu leben, sofort umschalten und an die Neugestaltung ihrer Zukunft denken? Die Fernsehleute hätten gerne kurze Zeit später strahlende Witwen gezeigt, voller Dankbarkeit über die Spenden aus Deutschland. Aber im engen Dialog mit ANDHERI HILFE hatten wir entschieden – neben der notwendigen Soforthilfe – das seelische Leiden dieser Frauen ernst zu nehmen. Für mich ist die Projektleitung Herausforderung und Herzensangelegenheit zugleich, ist doch dieses Thema so nah an meiner eigenen Geschichte. Mein Vater hat sich zwar nicht umgebracht, ist aber früh verstorben. Ich habe hautnah erfahren, was das bedeutet. In unseren „Inner Healing“-Seminaren bieten wir den Frauen und Kindern einen geschützten Raum und kompetente Begleitung, damit die inneren Wunden heilen können. Und dann finden die Frauen die Kraft und den Mut, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen. Das ist kein schneller, einfacher Weg. Aber der, der wirklich neues Leben schafft!

 

Preetilata Gaikwad arbeitet ist seit 18 Jahren hochmotivierte Mitarbeiterin der ANDHERI HILFE-Partnerorganisation WOTR in Maharashtra/Indien.

 

(Woche 43)

„Die bringt genau die Stories ans Licht, die die Anderen verstecken wollen!“

Können Sie sich vorstellen, dass ich, die in unserer Region bekannte Journalistin, früher ein ganz schüchternes Mädchen war? Erst das WOTR-ANDHERI HILFE-Projekt brachte Schritt für Schritt Veränderungen: nicht nur für das Dorf, auch für mich ganz persönlich. Ich nahm an Trainings teil, lernte viel über Entwicklungsprozesse und die Stärkung von Selbsthilfekräften, übernahm mehr und mehr eine Führungsrolle. Und eines Tages sagte Herr Adiyog mir, ich solle die Video-Dokumentarfilmerin für unsere Region werden. Ich war unglaublich stolz, dass er mir dies zutraute. Ich konnte an tollen Schulungen teilnehmen und begann mit immer mehr Selbstbewusstsein die Themen aufzugreifen, die mir, die uns im Dorf, unter den Nägeln brannten. Nach und nach wagte ich mich an Interviews mit lokalen Führungskräften, Regierungsbeamten und schließlich auch bekannten Politikern. Ich „legte immer den Finger in die Wunde“, brachte Themen ans Licht, die von Anderen nur zu gerne unter der Decke gehalten worden wären. Zum Glück haben wir heute so viele Möglichkeiten, ohne großen technischen Aufwand kleine Filme zu drehen – und zu verbreiten, zum Beispiel über Youtube. Diese Arbeit ist enorm wichtig, um den Menschen hier eine Stimme zu geben über die Grenzen ihrer Dörfer hinaus. Jetzt endlich erreichen uns die Entwicklungsprojekte der Regierung. Und ich bin stolz, diese – als gewählte Bürgermeisterin – effektiv umsetzen zu können!

 

Die erst 29-jährigen Saroj Pareste aus dem Dorf Kauaajhir im indischen Bundesstaat Madhya Pradesh ist ein eindrucksvolles Beispiel, was die Starthilfe von ANDHERI HILFE bewirken kann.

 

(Woche 42)

"Ihr Dalits habt wohl vergessen, wo Euer Platz ist!"

Ich war 14, als ich begann, mich in der vom Befreiungstheologen Paulo Freire inspirierten Schülerbewegung zu engagieren. Ich brachte mich immer mehr ein, später in der indienweiten Studentenföderation. Unfassbare Geschichten von Unterdrückung und Diskriminierung spornten mich an. Mit der Heirat von M.C.Raj verschrieb ich mich ganz und gar dem Kampf der Dalits. 1984 gründeten wir die Organisation REDS (Rural Education for Development Society). Mit großer Energie, Durchhaltewillen und mit viel Mut ist hieraus eine wegweisende Bewegung der bis heute diskriminierten Dalits entstanden. Wir entwickelten das Konzept der Dalit-Dorfräte, damit unsere Leute lernen, im politischen Leben ihre Stimme zu erheben und für ihre Rechte zu kämpfen. Das meiste lernten wir, wenn wir gemeinsam mit den ‚einfachen Leuten' auf dem Boden saßen und sie uns von ihrem Leben, ihren Wurzeln, ihren Kraftquellen berichteten. Dalits werden seit Jahrtausenden systematisch diskriminiert. Das hat tiefe Wunden in den Herzen und der Psyche dieser Menschen hinterlassen. Wir müssen unsere eigene Kultur wiederentdecken und stärken. Es gibt so viel Bewahrenswertes! Dass wir keine Götter anbeten, sondern uns mit ‚Mutter Erde' verbinden, sie ehren und schützen, das könnte ein Beispiel, ein wertvoller Beitrag sein für mehr Menschlichkeit in unserer Welt."

 

ANDHERI HILFE unterstützt Jyothi Raj und REDS in ihrem einmaligem Engagement, den Dalits ihre Rechte und ihre Würde wiederzugeben.

 

(Woche 41)

"Armut zu bekämpfen allein reicht nicht - es geht auch um Ausbeutung und Diskriminierung von Frauen!"

Das war ein Aufstand, als ich es das erste Mal wagte, an der "Gram Sabha", unserer Dorfversammlung, teilzunehmen! Andere Frauen zu motivieren, es mir gleichzutun, war wahnsinnig schwer. Verstehen konnte ich sie ja einerseits: Auch die Männer in meiner Familie waren alles andere als begeistert. Doch mir war klar: Nur wenn wir hier, wo die Entscheidungen für unser Dorf getroffen werden, wirklich partizipieren, kann sich die Situation für uns Frauen verändern. Durch die Schulungen unter dem ANDHERI HILFE-Navrachna-Projekt wusste ich um viele Möglichkeiten, staatliche Programme für unser Dorf nutzbar zu machen. Das schaffte eine gewisse Akzeptanz bei den Männern. Als wir uns dann aber als Frauengruppe organisierten und immer mutiger nicht nur für Armutsbekämpfung, sondern auch gegen die Unterdrückung von Frauen eintraten, das war eine andere Nummer. Doch wir waren nicht mehr zu stoppen. Heute haben wir eine Föderation von Frauengruppen aufgebaut, heute sind wir viele und gemeinsam stark. Von der Basis bis in hohe politische Kreise hinein spreche ich heute offen von Ausbeutung und Diskriminierung der Frauen, vor allem aber von unseren Potenzialen und unserer Stärke. Und wir Frauen  machen jeden Tag aufs neue sichtbar, welch' enorme Rolle wir für die Entwicklung in Familie, Dorf und Gesellschaft spielen."

 

Die 37-jährige Prem Shila hat in ihrem Bundesstaat Chhattisgarh, im Herzen Indiens, weit über ihr kleines Dorf hinaus die Kraft der Frauen zum Leben erweckt.

 

(Woche 40)

„Vinod und Sali – das sind echte Vorbilder für uns!“

Nie hätten wir gedacht, dass die Leute einmal so über uns sprechen würden! In unserem Dorf Kari, im Hinterland der Malabarküste, im Südwesten Indiens, sind wir eine von 150 Familien. Bei Touristen sind diese ‚Backwaters‘ mit ihrem Netz von Wasserarmen und Palmen überall sehr beliebt. Dass nicht alles so schön ist, wie es auf den ersten Blick scheint, das sehen die meisten Touristen nicht. Wir alle gehören sehr niedrigen Kasten an. Mein Mann arbeitet, wie so viele hier, als Inlandfischer. Mit dem Verkauf der Fische über die Runden zu kommen war schon immer extrem schwer. Als mein Vater vor 10 Jahren starb, nahmen wir meine Mutter bei uns auf. Und unseren beiden Töchtern wollen wir unbedingt den Schulbesuch ermöglichen. Das Einkommen reichte hinten und vorne nicht mehr. Dann kamen Mitarbeiter der Kottayam Social Service Society in unser Dorf, stellten unter dem ANDHERI HILFE-Projekt Fördermöglichkeiten in Aussicht. Wir überlegten, planten. Wir könnten einen Kleinkredit aufnehmen um ein besseres Boot zu kaufen und einen Tiefkühler, damit der gefangene Fisch bis zum Verkauf auf dem Markt gelagert werden kann. Dann könnten wir deutlich  besser verdienen, aber auch die Arbeit wäre deutlich mehr: nicht allein zu schaffen für meinen Mann. Also beschlossen wir, dass ich ihm fortan beim Fischen helfe. Das war ein absolutes Novum: eine Frau auf einem Fischerboot! Aber wir haben allen bewiesen, dass es funktioniert! Sehr gut sogar! Inzwischen sind viele Ehepaare unserem Beispiel gefolgt. Das macht uns stolz!“

 

Sali und ihr Ehemann Vinod erhielten unter dem ANDHERI HILFE-Projekt für Inlandfischer in Kerala eine Starthilfe, um ihre Einkommensmöglichkeiten dauerhaft auszubauen.

 

(Woche 39)

„Nein, wir lassen uns nicht verheiraten!“

Gleich drei Mädchen in unserem kleinen Dorf Nipinda, irgendwo weit abgelegen im indischen Bundesstaat Odisha, ‚probten den Aufstand‘! Undenkbar, dass sich junge Mädchen gegen die Eltern stellen, wenn diese ihre Hochzeit arrangieren! Doch unter dem von WORD und ANDHERI HILFE geförderten Projekt hatte ich fünf Frauengruppen mit 54 Mitgliedern gegründet. Wir hatten in unserer Gemeinschaft an Stärke gewonnen und ich selbst hatte nie geahnte Führungstalente entwickelt. Viele Verbesserungen haben wir schon erreicht, von Gemüsegärten bis zu Pumpen für Trinkwasserbrunnen - von der Regierung mobilisiert. Gegen soziale Missstände zu kämpfen ist schwieriger. Zum Beispiel gegen die gar nicht unübliche Kinderheirat. Diese drei Mädchen waren die ersten, die den Mut fanden, laut und deutlich zu sagen: ‚Nein, wir lassen uns nicht verheiraten!‘ In unseren Gruppen hatten wir schon oft über das Thema gesprochen. Wir brauchten keine Schulung um zu wissen, wie schwer eine viel zu frühe Heirat – und damit meist auch eine viel zu frühe Schwangerschaft - für ein junges Mädchen ist. Ich sprach mit den Müttern, mit den Familien, einmal, vielmals. Und schließlich stimmten sie zu, den Mädchen Zeit zu lassen sich zu entwickeln, ihre Talente zu entfalten und dann mitzuentscheiden über ihre Zukunft. Auf diesen Erfolg bin ich am meisten stolz!“

 

Bhabani Nayak ist eine hervorragende Führungskraft geworden, die herausragende nachhaltige wirtschaftliche und soziale Entwicklungen befördert.

 

(Woche 38)

„Muslime, Christen und Hindus: Nur gemeinsam schaffen wir es!“

Meine 68 Lebensjahre habe ich in den Slums von Hyderabad – im Herzen Indiens – verbracht. Aufgewachsen in einer streng religiösen Familie war für mich klar: Der Islam ist die einzig wahre Religion. Bis eines Tages Bruder Varghese, ein christlicher Sozialarbeiter, zu uns kam. Und nicht nur davon redete, die unmenschlichen Lebensbedingungen im Slum müssten sich verbessern. Er blieb, bezog einen dieser winzigen Verschläge. Wir lernten uns kennen und ich verstand, wieviel Gemeinsamkeiten es zwischen Muslimen und Christen gibt. Und dass wir - Muslime, Christen und Hindus – nur gemeinsam die Veränderungen schaffen können, von denen wir träumen. Wir fingen mit einer Schule für unsere Kinder an, organisierten Trinkwasserversorgung und sanitäre Einrichtungen, förderten Jugendliche – und dies immer über alle Grenzen von Religion und Kaste hinaus. Wir haben viele Kämpfe ausgefochten, manche gewonnen, andere verloren. Aber unser Zusammenhalt und unser Selbstvertrauen sind immer gewachsen. Neue Herausforderungen leider auch: in Hyderabad ist das Land inzwischen hoch begehrt, wieder einmal droht uns Vertreibung. Doch mit Unterstützung der ANDHERI HILFE konnten wir unser Netzwerk auf- und ausbauen, werden inzwischen von Menschenrechtlern, Journalisten, Anwälten unterstützt. Wir fordern statt Umsiedlungsplänen die Schaffung von menschenwürdigen Lebensbedingungen hier, im Herzen der Stadt. Ich glaube fest daran, dass wir gemeinsam eine neue Zukunft für uns und unsere Kinder bauen können!“

 

ANDHERI HILFE arbeitet mit diesem engagierten Mohammed Ashwaq und mit Bruder Varghese vom Montfort Social Institute zusammen - inzwischen sowohl in Hyderabad als auch in Vijayawada/Amaravathi, den Hauptstädten der beiden neu gegründeten Bundesstaaten Andhra Pradesh und Telangana.

 

(Woche 37)

"Was willst Du denn hier? Autorikscha fahren, das ist Männersache!“

Ich hatte geahnt, dass es nicht leicht werden würde, in eine absolute Männerdomäne vorzudringen. Doch als mein Mann einen schweren Unfall hatte und nicht mehr als LKW-Fahrer arbeiten konnte, da war klar: Fortan muss ich die Familie versorgen. Aber wie? In die Fußstapfen meines Mannes konnte ich nicht treten. Aber eine dieser kleinen, dreirädrigen Autorikschas zu fahren, das traute ich mir wohl zu. Andererseits: Es gab in Kottayam – wie fast überall – nur männliche Fahrer. Die Mitarbeiter der Kottayam Social Service Society kamen mir zur Hilfe. In dem von ANDHERI HILFE geförderten Projekt werden Frauen unterstützt, sich eine eigene Einkommensquelle aufzubauen. Besonders Frauen, die allein für die Familie sorgen müssen. Und hier ist man sehr fortschrittlich: Selbstverständlich werden Frauen auch gefördert, wenn sie einen ‚Männerberuf‘ ergreifen wollen. Also lernte ich das Fahren einer Autorikscha. Können Sie sich die Anfeindungen vorstellen, als ich zum ersten Mal mit meiner Autorikscha auftauchte und auf Kunden wartete? Zum Glück fand ich schnell feste Auftraggeber: Eltern sind froh, wenn ich ihre Kinder zur Schule und wieder nach Hause bringe, besonders, wenn es Mädchen sind. Und Frauen fühlen sich sowieso mit mir viel sicherer. Ich bin stolz, die erste Rikschafahrerin in Kottayam zu sein!“

 

Molly John, 32 Jahre, ist eine der Frauen, die in unserem Projekt in Kottayam/Kerala Mut und konkrete Hilfestellung erfahren hat, um selbstbewusst den Lebensunterhalt für sich und ihre Familie zu erarbeiten.

 

(Woche 36)

"Fast die Hälfte der Kinder unter fünf Jahren ist in Indien unterernährt.“

Für Sie mag das eine trockene statistische Zahl sein, aber für uns als Schafhalter (viele von uns Nomaden) war das bittere Realität. Nie hätte ich gedacht, dass sich das verändern würde. Aber das Projekt von Jana Jagaran – finanziell gefördert von der ANDHERI HILFE – wurde zum Wendepunkt. Für mich waren die ersten zwei Ziegen, die ich mir mit einem Kleinkredit meiner Frauengruppe kaufte, wie ein ‚Schlüssel‘: Sie gaben mir Mut und die Zuversicht, dass ich wirklich etwas verändern kann. Nach nur sechs Monaten konnte ich die Ziegen zum vierfachen Preis verkaufen, mein Darlehen zurückzahlen und meinen beiden Kindern sogar den weiteren Schulbesuch ermöglichen. Inzwischen besitze ich sechs Ziegen. Doch es geht nicht nur um mich. Ich motiviere andere Frauen, habe inzwischen in unserem Dorf vier Frauengruppen gegründet. Ich verhandele mit dem Bürgermeister, kämpfe dafür, dass die ärmsten Familien im Dorf staatliche Hilfen für einfache kleine Häuser bekommen und Toiletten. Sie sollten sehen, wie stolz die Frauen heute sind, dass sie selbst ein Einkommen erwirtschaften können. Und dieses setzen sie alle – ausnahmslos – zum Wohl der Kinder ein! Außerdem haben wir durchgesetzt, dass es im Kindergarten und in der Grundschule jetzt tatsächlich die vorgesehene – vom Staat finanzierte – Mittagsmahlzeit für die Kinder gibt – und zwar eine nahrhafte.

 

Ningavva ist ein leuchtendes Beispiel für viele: 16.000 Schaf- und Ziegenhirten-Familien konnte ANDHERI HILFE inzwischen im indischen Bundesstaat Karnataka fördern.

 (Woche 35)

"Wie sollen denn Cashew-Nüsse unser Leben verändern?"

Glauben Sie nicht, dass ich der Einzige war, der zweifelte, als uns Mitarbeiter der Organisation KIRDTI weismachen wollten, auf unseren kleinen Landparzellen mit schlechtem Boden, teils an den Hängen gelegen, könnten wir mit Cashew-Nussbäumen ein Einkommen erzielen! Auf der anderen Seite hatten wir nichts zu verlieren. Es war echte Knochenarbeit, mein Stück Land - knapp einen Hektar - für die Pflanzung vorzubereiten: 100 Cashew-Setzlinge, dazu einige Limonen-, Mango- und Kokospalmpflänzchen brachte ich in die Erde, besorgte mir organischen Dünger und setzte dornige Hecken als "grünen Zaun". Vier Jahre war es nichts als Arbeit: gießen, düngen, Unkraut jäten. Aber ich sah, wie aus den Setzlingen langsam kleine Bäumchen wurden. Und dann konnte ich meine ersten eigenen Cashew-Nüsse ernten: 83 kg! Die brachten mir 5.000 Rupien (knapp 70 Euro). Und seitdem sind die Ernteerträge deutlich gestiegen: inzwischen erziele ich mit dem Verkauf meiner Nüsse und Früchte mindestens 200.000 Rupien (ca. 2.600 Euro) pro Jahr, auch schon mal über 340.000!

Für die anderen Kleinbauern hier in der Gegend bin ich so etwas wie eine Ikone geworden: Immer mehr kommen und lassen sich von mir beraten. Das ist mir die größte Freude, die Hilfe, die ich erhalten habe, mit Anderen zu teilen. Und Cashew-Samen bekommen die Farmer von mir selbstverständlich kostenlos dazu."

 

Maheswar Naik ist einer der Kleinbauern im ostindischen Bundesstaat Odisha, die von ANDHERI HILFE eine Starthilfe erhalten haben, um ihre kleinen Ländereien - trotz schlechter Bodenverhältnisse und wenig Wasser - nutzen zu können. Ernährung wird gesichert, Landflucht verhindert!

 (Woche 34)

"Wenn ein kleines Kind nicht in seiner Muttersprache lernen kann, dann wird es von seinen Wurzeln abgeschnitten."

Wie naiv war ich doch, als ich mich mit 18 Jahren entschloss, in einem kleinen Juanga-Dorf in den Wäldern von Odisha die Kinder zu unterrichten! Es begann schon mit der Sprache: Die Juanga haben - wie die meisten indigenen Bevölkerungsgruppen - ihre eigene Sprache. Doch die spielte in den Schulen - so es überhaupt welche gab - keinerlei Rolle. Dort wurde in Oriya, der Landessprache, unterrichtet. Die Kinder konnten nicht folgen, wollten nicht hingehen. Ich versuchte, ihre Eltern zu überzeugen, wie wichtig Bildung für ihre Kinder ist. Sehr schwierig! So war schon bald vor allem ich selbst diejenige, die zu lernen hatte: Was ist diesen Menschen wichtig? Was sind ihre größten Herausforderungen? Wie kann ich ihnen wirklich helfen? Dringend notwendig war eine bessere Gesundheitsversorgung, genügend Ernteerträge zum Überleben, kleine Dämme zum Auffangen des Monsunregens - und Bildung im umfassenden Sinne! Ich könnte stundenlang über die Erfolge berichten, doch auf eines bin ich ganz besonders stolz: Als Mitglied des "Odisha Adivasi Manch" habe ich daran mitgewirkt, dass die Regierung des Bundesstaates Odisha jetzt in Vor- und Grundschulen den Unterricht in der Muttersprache eingeführt hat: Erstmals gibt es Bücher in den zehn wichtigsten Adivasi-Sprachen. Erstmals haben die Adivasi-Kinder die Chance, im frühen Alter in ihrer Muttersprache zu lernen und so ihr volles Potenzial zu entfalten - und ihre Wurzeln zu stärken!

ANDHERI HILFE arbeitet seit 22 Jahren mit Veronica Dung Dung und ihrem Ehemann Emmanuel Patil zusammen: zunächst mit Leprakranken, dann zur umfassenden Entwicklung der Allerärmsten: der Adivasi in abgelegenen Dörfern.

 (Woche 33)

„Stellvertreterin der Göttin? Komm her, ich zeig‘ Dir, was Du bist!“

Ich war 14 als meine Eltern mich der Göttin weihten. Jetzt war ich eine Devadasi. Ich freute auf meine Rolle als Tänzerin bei religiösen Festen, als „Stellvertreterin der Göttin“. Aber für das, was auch dazu gehört, finde ich keine Worte. Wie oft ich vergewaltigt wurde, kann ich gar nicht mehr sagen. Es gehört zu meiner Aufgabe, wurde mir brutal klar gemacht. Dreimal wurde ich schwanger, von wem, weiß ich nicht. Es waren zu viele. Können Sie sich vorstellen, was das für meine drei Mädchen bedeutet: ihre Mutter eine Zwangsprostituierte, Vater unbekannt? SNEHA und ANDHERI HILFE waren die einzigen, die mir einen Hoffnungsschimmer gaben. Ich wurde Mitglied von Muktha: einem Netzwerk von Devadasis. Hier hörte ich zum ersten Mal, dass das Devadasi-System gesetzlich verboten ist und es besondere staatliche Förderprogramme für Devadasis gibt. Schon bald wurde ich zu einer der Leiterinnen des Netzwerkes gewählt. Ich startete eine Unterschriftenaktion: 20.000 Postkarten schickten wir an das Ministerium, um die uns zustehenden Renten einzufordern: 1.000 Rupien (ca. 15 Euro) pro Monat. Und ich hab‘ erreicht, dass 93 Devadasis von der Regierung ein Stückchen Land mit einem kleinen Häuschen erhalten haben. Sie können sich gar nicht vorstellen, was das für uns bedeutet, für uns, die wir zwar einerseits „Stellvertreterinnen der Göttin“ sind, sozial aber total ausgegrenzt und heimatlos. Ich werde nicht ruhen, bis alle Devadasis in Würde leben können!

Adivemma ist eine von 11.510 Devadasis, die im indischen Bundesstaat Karnataka identifiziert wurden. Ihnen zu einem Leben in Würde zu verhelfen – und zu verhindern, dass weiterhin Mädchen „der Göttin geweiht werden“ – das ist das gemeinsame Anliegen von SNEHA und ANDHERI HILFE.

 (Woche 32)

„Verteil‘ keine Fische, lehre die Menschen das Fischen!“

„Dass diese alte Weisheit einmal eine so praktische Bedeutung in meinem Leben erlangen würde, hätte ich nie gedacht. Doch in meiner Arbeit mit den Adivasi an unserem großen Fluss Godavari – nahe der Ostküste Indiens – wurde genau dies immer wichtiger: Die Menschen Fähigkeiten zu lehren, die ihnen ihr Überleben sichern können. Hier an der Godavari wird das wohl nicht mehr sein. Die Mächtigen scheinen den jahrzehntelangen Kampf gewonnen zu haben: Hunderttausende von Adivasi, die hier ihre Wurzeln haben, ihre Lebensgrundlage in den natürlichen Wäldern, ihre Verbindung zu ihren Ahnen, werden ihre Heimat in den Fluten eines riesigen Staudammes verlieren. Aber zum Glück hat uns ANDHERI HILFE immer wieder unterstützt, diesen Menschen keine Almosen zu geben, sondern neue Fähigkeiten. Diese sind das einzige, was sie jetzt mitnehmen können. Und ich bleibe an ihrer Seite, damit sie wenigstens gerechte Entschädigungen und Unterstützung bei der Umsiedlung erhalten. Das mag nur ein „Tropfen im Ozean sein“, aber die ANDHERI HILFE hat mich gelehrt, dass viele Tropfen einen Ozean machen können!

ANDHERI HILFE unterstützt Chandra Sekhar und seine Organisation CREATORS seit Jahren dabei, die Adivasi zu stärken, die ohne diese Hilfe brutal und ohne Entschädigung von ihrem angestammten Land vertrieben worden wären – Hunderttausende.

 

(Woche 31)

„Zum ersten Mal bin ich stolz, eine Adibasi-Frau zu sein!“

„Als Kind – in einem abgelegenen Dorf in Bangladesch geboren – wurde mir schnell klar, was es bedeutete, eine Adibasi zu sein. Adibasi (indigene Bevölkerungsgruppen) gelten hier als dumm und hinterwäldlerisch, bestenfalls als zähe, billige Arbeitskräfte. Doch so sehr meine Eltern auch auf den Feldern der Grundbesitzer schufteten, Hunger war unser täglicher Begleiter. Früh mussten wir Kinder mitarbeiten, an Schule war nicht zu denken. Ganz ehrlich, ich glaube meine Eltern waren froh, als sie mich mit zwölf Jahren verheiraten konnten. Mit fünfzehn brachte ich meine erste Tochter zur Welt, mit zwanzig meine zweite. Drei Monate später starb mein Mann. Ich brachte meine kleinen Mädchen durch, indem ich Kuhställe sauber machte. Egal. Ich wollte es schaffen! Was mir half zu leben, war meine Frauengruppe: ich nahm an Treffen und Kursen teil und wurde schon bald zur Leiterin gewählt. Diesem Vertrauensbeweis wollte ich gerecht werden: Ich hab‘ es geschafft, dass 56 Adibasi-Jugendliche ein Stipendium erhielten, ärmste Familien kostenlos ein Stück Land von der Regierung. Inzwischen habe ich so viel Selbstbewusstsein, dass ich mutig für uns Adibasi eintrete, einmal sogar bei einer großen Versammlung mit Parlamentariern, Journalisten und Regierungsvertretern: 3.000 Menschen hörten mir gebannt zu. Zum ersten Mal war ich stolz, eine Adibasi-Frau zu sein!"

 

Basonti Toppo ist eine von vielen Hunderten diskriminierter, extrem armer Frauen in Bangladesch, die ANDHERI HILFE gemeinsam mit der Partnerorganisation BDO fördert, damit sie ihre eigenen Stärken entwickeln und ihre Rechte nutzen können.

 

(Woche 30)

„Wir können einfach kein zweites Mädchen großziehen!“

"Diesen Satz habe ich immer wieder gehört, doch viele Jahre hatte ich keine Ahnung, dass er auch etwas mit mir zu tun hat. Heute weiß ich, dass ich – wie ungezählte andere Mädchen – mit ziemlicher Sicherheit gleich nach meiner Geburt umgebracht worden wäre, hätte es nicht das ARD-ANDHERI-HILFE-Projekt gegeben. Meine Mutter und viele Frauen des Dorfes hatten sich in Gruppen organisiert, um sich gemeinsam für bessere Lebensbedingungen einzusetzen. Und um für ihre Rechte zu kämpfen, vor allem das Recht auf Leben: auch für die ‚zweiten Mädchen‘. Die erste Tochter darf in der Regel leben, denn Hilfe ist vor allem in armen Familien wichtig, wo täglich Brennholz gesammelt und Wasser gepumpt werden muss. Doch später zwei Töchter zu verheiraten, das ist wegen der hohen Mitgiftforderungen kaum möglich. Inzwischen weiß ich, dass ich eines von mehr als 12.000 Mädchen bin, die durch dieses Projekt gerettet wurden. Seitdem ist es nicht mehr selbstverständlich für mich, dass ich lebe, dass ich sogar zur Schule gehen kann. Und schon gar nicht, dass ich im April 2017 zusammen mit Rosi Gollmann in Schweden den ‚World Children’s Prize‘ entgegennehmen konnte. Ich bin so dankbar, jetzt Botschafterin für all die Mädchen zu sein, für die es nicht selbstverständlich ist, dass sie leben dürfen!"

 

Die ANDHERI HILFE arbeitet seit vielen Jahren mit der Association for Rural Development im südindischen Bundesstaat Tamil Nadu zusammen, wo die Praxis der Mädchentötung noch weit verbreitet war bzw. ist. Ananthi ist eines der geretteten Mädchen.

 

 

(Woche 29)

„Wessen Gemüse verkaufst Du da?“ „Na meins natürlich!“ „Und wer hat es gesät und geerntet?“ „Meine Frau!“ „Und wieso sind es dann Deine Früchte?“ „Nun, sie ist meine Frau!“

"Dieser Text der Karikatur eines Bauern mit vollen Gemüsekisten bringt es auf den Punkt: Es sind die FRAUEN, die tagein tagaus auf dem Feld schuften: säen, Unkraut jäten, wässern, ernten, dann verkaufen oder weiterverarbeiten. Aber haben sie ein Recht mitzubestimmen, was angebaut wird? Nein! Das entscheidet selbstverständlich der Mann. Wenn er sagt, es wird ausschließlich Reis gepflanzt – auch auf das Risiko hin, dass die Ernte witterungsbedingt komplett ausfällt – dann wird nur Reis gepflanzt. Doch wer hat die Sorgen, täglich Essen für die Kinder, die ganze Familie zu organisieren? Ebenso selbstverständlich die Frau. Dabei wissen die Frauen oftmals viel besser, wie sie ihre kleinen  Felder nutzen können. Dürfen sie entscheiden – und haben sie die Möglichkeit, ihr traditionelles Wissen mit neuen Kenntnissen zu verknüpfen – dann wächst auf einem kleinen Feld eine Vielfalt von Gemüse und Obst. Das ganze Jahr über kann geerntet werden. Die Ernährung der Familie ist sichergestellt! Das zu sehen, ist mir der schönste Lohn!"

 

Die ANDHERI HILFE arbeitet seit vielen Jahren mit Venkat Ramnayya und seinem Team von YOUTH FOR ACTION im extrem von Dürre geplagten Mahaboobnagar Distrikt (Bundesstaat Telangana) zusammen. Frauen sind die Schlüsselpersonen, um das Überleben unter diesen widrigen Lebensbedingungen zu organisieren.

 

 

(Woche 28)

„11 Menschen verhungert. Die indigene Gruppe der Juang ist vom Aussterben bedroht.“

"Diese Nachricht traf mich bis ins Mark, besonders weil sie aus meinem Heimatdistrikt Keonjhar kam. Das war 1989. Ich musste etwas tun. Sofort! Ich mobilisierte die Presse, gewann einige Mitstreiter und wir begannen mit Hilfsmaßnahmen für die vom Hungertod bedrohten Menschen. Ich suchte motivierte junge Adivasi, die für soziale Veränderungen brannten und half ihnen, die Ursachen ihrer extremen Armut zu verstehen. Sie fassten schließlich den Mut, gegen die viel zu geringe Bezahlung der Adivasi bei einem großen Staudammprojekt vorzugehen. Sie kämpften gegen den Holzschmuggel und für das Land, auf dem ihre Vorfahren schon seit Jahrhunderten gelebt hatten und wo ihnen jetzt Vertreibung drohte. Aber unsere Bewegung war noch viel zu klein. Wir konnten nicht verhindern, dass weitere Menschen verhungerten, darunter viele Kinder. 2006 konnten wir dank Unterstützung von ANDHERI HILFE unsere Arbeit auf 102 Dörfern ausdehnen, inzwischen sogar auf 225. Doch wir machen uns beileibe nicht nur Freunde. Das Land der Adivasi ist reich: kostbare Hölzer über der Erde, reiche Rohstoffe unter der Erde. Da wird von starken Interessensgruppen gar nicht gerne gesehen, dass die Adivasi ihre Rechte kennenlernen und hierfür kämpfen. Wie oft wurden wir bereits als „Maoisten“ bezeichnet. Mehrere meiner Mitarbeiter wurden eingesperrt und über viele Monate festgehalten. Recht und Gerechtigkeit liegen oft weit auseinander. Aber so lange hier Menschen verhungern, kämpfen wir weiter!"

 

Die ANDHERI HILFE ist stolz, Partner wie Duskar Barik und sein Team von KIRDTI (im ostindischen Bundesstaat Odisha) zu haben, die sich trotz aller Bedrohungen vehement für die Allerärmsten einsetzen.

 

 

(Woche 27)

„Mit Willenskraft kannst du alles erreichen!“

"Ich hatte Glück, wurde zwar nicht in eine reiche Familie geboren, aber doch in eine, die mir Schule und sogar Studium ermöglichte. Als ich heiratete zog ich mit meinem Mann in das Dorf Birajpur im zentralindischen Bundesstaat Jharkhand. Hier erlebte ich zum ersten Mal extreme Armut. Es zerriss mir das Herz, die hungernden Kinder und die ausgemergelten, mutlosen Frauen zu sehen. Ich musste einfach etwas tun. Ich schloss mich der – damals wenig aktiven – Frauengruppe an und wurde bald zur Vorreiterin. Wurde eine Frau im Dorf misshandelt (und das geschah oft!), dann schritten wir ein! Zwanzig Kinder allein in unserem Dorf mussten schuften, statt zur Schule zu gehen. Ich ruhte nicht, bis alle zwanzig zur Schule gingen. Die Frauen in meiner Gruppe drängten, ich solle als Bürgermeisterin kandidieren. Ob Sie es glauben oder nicht: Ich wurde gewählt! Bürgermeisterin von Birajpur! Was für ein Erfolg – was für ein Auftrag! Ich machte mich schlau, mobilisierte immer mehr staatliche Förderprogramme für unser Dorf. Was wir erreichten, das spornte an – mich selbst und andere. In diesem Jahr wurde ich sogar zur Bürgermeisterin des Kreises Karmatnar gewählt. Sie werden sehen: Jetzt werden wir noch viel mehr positive Veränderungen erreichen!"

 

Mamta Kol ist zu einer wichtigen Säule im Entwicklungsprojekt unserer Partnerorganisation Lok Deep geworden, in welchem wir vor allem Frauen und Kinder fördern.

 

 

(Woche 26)

„Es kann doch nicht angehen, dass unsere Dorfschule fast die Hälfte der Zeit geschlossen ist!“

"Unser kleines Dorf Sitabinj ist wirklich schwer zu erreichen, abgelegen im ostindischen Bundesstaat Odisha. Wer interessiert sich schon für uns: 169 überwiegend sehr arme Familien, die meisten von uns Tribals (Angehörige indigener Bevölkerungsgruppen). Da können wir doch nur froh sein, dass es überhaupt eine staatliche Schule gibt. Aber die Hälfte der Zeit kommen die Lehrer nicht - oder die Kinder nicht. Das macht  mich wütend. Was soll denn aus unsern Kindern werden! Erst als Vikas Niketan und ANDHERI HILFE die Arbeit in unserem Dorf begannen, erst da hat sich etwas verändert. Sie motivierten uns, uns in Gruppen zu organisieren und uns gemeinsam für die Verbesserung unserer Lebensbedingungen einzusetzen – und Entwicklungschancen für unsere Kinder. Wir gründeten ein Eltern- Lehrer-Komitee, sprachen über die elementare Bedeutung der Bildung für unsere Kinder. Jeden Tag wuchs die Zahl der Kinder in unserer Schule. Und heute kann ich voller Stolz sagen, dass wirklich ALLE Kinder unseres Dorfes regelmäßig zur Schule gehen!"

 

Adikanda Naik konnte nur mit Mühe bis zur 9. KIasse die Schule besuchen. Durch das von ANDHERI HILFE geförderte integrierte Entwickungsprojekt hat er sich zu einer herausragenden Führungspersönlichkeit entwickelt.: Mit Herzblut setzt er sich ein für den Schutz der natürlichen Ressourcen, Arbeits- und Einkommensmöglichkeiten in den Dörfern, für die Reduzierung der Landflucht, für bessere Gesundheit – und für Bildung!

 

 

(Woche 25)

„Kommt schnell, Santhanakrishnan verbrennt alles, was er finden kann, sogar seine eigenen Kleider!“

"Ich kannn verstehen, dass meine Mutter oft am Rand der Verzweiflung war: mein Vater psychisch krank – und dann auch noch ich, ihr zweiter Sohn. In meinen schlechten Zeiten konnte ich mich überhaupt nicht kontrollieren. Oft sammelte ich alles ein, was ich im Haus oder in der Nachbarschaft fand und warf die Sachen in einen Brunnen. Und manchmal warf ich mich mit aller Kraft in eine Dornenhecke und weigerte mich, wieder herauszukommen. Die Nachbarn hatten Angst vor mir. Und oft auch meine Mutter. Das sah ich in ihren Augen. Aber wo hätte sie Hilfe finden können? In unserem kleinen Dorf ganz bestimmt nicht. Und einen Besuch bei einem teuren Arzt in der Stadt hätten wir uns nie leisten können. Doch dann hörte mein Bruder vom Chellamuthu Trust in Madurai und dass die Mitarbeiter dort sich um Menschen mit psychischen Erkrankungen und Behinderungen kümmern – Dank der Spenden aus Deutschland bei armen Patienten sogar kostenlos. Sie untersuchten mich, erkannten meine Krankheit und gaben mir die richtigen Medikamente. Damit kann ich ein fast normales Leben führen. Stellen Sie sich vor, ich hab‘ jetzt in Madurai meinen eigenen kleinen Laden und kann mit dem Verdienst wesentlich zum Leben meiner Familie beitragen! Ich bin so stolz!"

 

Santhanakrishnan ist einer von rund 1.300 psychisch kranken bzw. geistig behinderten Menschen, die in Südindien durch den Chellamuthu Trust und ANDHERI HILFE Behandlung und Rehabilitation erfahren.

 

 

(Woche 24)

„Eine Mathamma ist die Stellvertreterin der Göttin. Sie verdient besondere Achtung.“

Das ist das, was ich immer hörte. Doch was ich sah war etwas ganz anderes: Die Mathammas tanzten bei den Tempelfesten und wurden hinterher immer wieder von höherkastigen Hindus weggezerrt – und dann vergewaltigt, wie ich schockiert erfuhr. Was für eine Perversion von Religion! Meine Wut wurde von meiner Ohnmacht geschürt. Mein Vater, den ich immer noch vor mir sehe, wie er mit einem kleinen Besen seine Fußspuren verwischt, um ja die Kastenhindus nicht zu verunreinigen, motivierte mich: „Du musst lernen! Nur dann kannst Du dieser Diskriminierung entgegenwirken!“ Wenn ich wieder einmal besonders schlimm behandelt wurde von anderen Schülern oder Lehrern, dann dachte ich an ihn. Uns so schaffte ich es sogar zu studieren. Einen „normalen“ gut bezahlten Job suchte ich nicht. Ich wollte etwas tun für „meine“ Leute, für „Unberührbare“, wie ich selbst einer war – und ganz besonders für die Mathammas und ihre Kinder. Aber niemand wollte mir helfen dieses „heiße Eisen“ anzupacken. Bis auf die ANDHERI HILFE! Mit ihrer Unterstützung begann ich 1997 in 50 Dörfern zu arbeiten. Leicht war es wahrlich nicht. Man vergiftete meinen Trinkwasserbrunnen, zündete mein Haus an. Aber ich machte weiter – immer wieder von ANDHERI HILFE bestärkt und nach und nach mehr mutige Mitstreiter_innen findend. Heute kann ich voller Dankbarkeit sagen, dass in 550 Dörfern die Mathammas in Würde leben können und keine Mädchen mehr der Göttin geweiht werden!


Seit 1997 unterstützt ANDHERI HILFE die Arbeit von Nune Vengaiah und seiner Organisation DUTIES in Nellore/Andhra Pradesh/Indien.

 

(Woche 23)

„Die Schafhirten und ANDHERI HILFE haben mich das Geheimnis des Lebens gelehrt!“

„Vor 20 Jahren schmiss ich meinen gut bezahlten Job als Tierarzt hin. Ich war desillusioniert von der gnadenlosen Kommerzialisierung auf dem Rücken der einfachen Leute. Ich suchte nach einem Sinn in meinem Leben – und fand ihn durch ANDHERI HILFE und die indischen Partnerorganisation Jana Jagaran. Hier bei uns in Karnataka gibt es sehr viele traditionelle Schafhirten, die mit ihren Tieren und den Familien als Nomaden leben. Es ist ein Leben mit großen Entbehrungen und vielen Risiken. Sterben z.B. Tiere in größerer Zahl durch Krankheiten, können auch die Menschen kaum noch überleben. Genau hier sah ich meine Chance zu helfen! Mein Wissen mit diesen Menschen zu teilen, so dass sie Krankheiten frühzeitig erkennen und die Tiere – häufig mit selbst hergestellter Kräutermedizin – behandeln können. Auch Impfungen sind eine wichtige Maßnahme – und die Versicherung der Tiere. Inzwischen haben sich mehr als 16.000 Schafhirten in einer Förderation zusammengeschlossen. Gemeinsam können sie erfolgreich ihre Rechte einfordern und auch Regierungsprogramme nutzen. Die Schafhirten und ANDHERI HILFE haben mich das Geheimnis des Lebens gelehrt: an meine eigenen Stärken zu glauben!"

 

Dr. Baig ist Projektkoordinator in dem Schafhirten-Projekt in Karnataka/Westindien, in welchem Jana Jagaran und ANDHERI HILFE den sozial besonders an den Rand gedrängten Schafhirtenfamilien Überlebens- und Entwicklungschancen eröffnen.

 

 (Woche 22)

„Nein, es ist noch lange nicht genug!"

„Da kommen einmal ANDHERI Freunde den weiten Weg aus Deutschland, da ist es doch nicht genug, was ich in fünf Minuten berichtet habe, da kann Eswaraiah sagen, was er will! Ich will unbedingt deutlich machen, was sich durch das von ANDHERI HILFE geförderte Projekt für mich – für uns – verändert hat. Eigentlich alles! Als Dalits – Unberührbare – waren wir immer wie der letzte Dreck behandelt worden. Jetzt kam Eswariah von der Organisation CAMEL und half uns, uns in Gruppen zu organisieren. Mit 58 Mitgliedern fingen wir 2006 an. Ich wurde einstimmig zur Präsidentin gewählt, ich, eine Frau! Vermutlich, weil ich nicht nur selbst schnell all die neuen Informationen – z.B. über Regierungsprogramme, Kinderrechte, Gesundheit – verstand, sondern das Wissen auch gut weitergeben konnte. Ich hab’s geschafft, dass in unseren Dörfern Kinderarbeit gestoppt wurde, dass ALLE Kinder zur Schule gehen. Seit 2013 hat es nicht mehr eine Kinderheirat gegeben! Und unsere Spar- und Kreditgruppen sind super erfolgreich. Alle Frauen haben sich mit Kleinkrediten Einkommensprojekte aufbauen können und sind von den Geldverleihern unabhängig geworden. Das war kein einfacher Weg. Kein Wunder also, dass ich auch Expertin für Konfliktmanagement wurde. Ja, ja, ich weiß, jetzt bin ich wieder kaum zu stoppen. Aber es gibt wirklich so viel zu berichten!“

Vimalamma hatte mit 14 die Schule verlassen müssen und war verheiratet worden. Niemand ahnte damals, dass sie durch das CAMEL-ANDHERI HILFE-Programm zu einem leuchtenden Vorbild für tausende von Frauen werden würde. 
 

(Woche 21)

"Was müssen die bloß verbrochen haben, dass die Götter sie mit einem solchen Kind strafen!"

„Ich war ein junger, erfolgreicher Uni-Professor. Physik war meine Leidenschaft. Als ich gefragt wurde, ob ich das Institut für Rehabilitationswissenschaften leiten wolle, ahnte ich nicht, dass dies mein Leben so radikal verändern würde. Je mehr ich mich mit der Thematik beschäftigte, je schockierter war ich: Kinder mit Behinderungen wurden als Strafe der Götter betrachtet und deshalb im Haus versteckt; Behinderte wurden angekettet oder in Erdlöcher gesteckt, während die Eltern zur Arbeit gingen. Nicht aus Boshaftigkeit, sondern aus Hilflosigkeit. Hilfe gab es damals in der Tat kaum – höchstens für die wenigen Reichen. Deshalb war für mich klar: Was immer es an großartigen Hilfsmitteln und Therapien gibt: Wenn es nicht auch für die armen Familien in den Dörfern taugt, dann ist das nichts für mich! Statt feinster Hörgeräte – unerschwinglich für eine arme Familie – entwickelte ich selbst robuste Hörgeräte: sehr preiswert und wartungsarm. Eine Zeichensprache in unserer Muttersprache Tamil  zu entwickeln, war eine echte Herausforderung! Pädagogische Materialien stellten wir aus Müll her. Und wir warteten nicht auf gut ausgebildete Fachkräfte (die es niemals in ausreichender Zahl im ländlichen Gebiet geben wird), sondern wir bildeten selbst aus: vor allem Familienangehörige. Heute fördern wir jedes Jahr mehr als 4.500 Menschen mit Behinderungen. Übrigens: Ich spreche nicht gerne von „Disabled“ („Menschen mit Behinderungen“); für mich sind sie „Differently abled“ („Menschen mit anderen Fähigkeiten“)! “

Prof. Prabakar hat gemeinsam mit der ANDHERI HILFE seit den 90er Jahren immer neue Modellprojekte für die Arbeit mit Kindern „mit anderen Fähigkeiten“ entwickelt.
 

(Woche 20)

"Jack-Früchte zu essen ist unter unserer Würde. Wir können uns hochgezüchtetes und gut gedüngtes Obst und Gemüse leisten."

„Das war wahrlich nicht einfach, die Menschen zu überzeugen, dass sie in eine folgenschwere Falle getappt waren. Einstmals war Kerala für seinen Reichtum an vielfältigen Nahrungs- und Heilpflanzen bekannt. Doch dann ging es nur noch um das schnelle Geld durch Monokulturen. Düngemittel und Pestizide versprachen Erfolg. Die Folge: Schäden der Böden, fehlende Grundnahrungsmittel. Shantigram begann – gemeinsam mit ANDHERI HILFE – gegenzusteuern. Ich selbst bekam 2002 – nachdem ich 16 Jahre lang als Ehefrau quasi im Haus eingesperrt war – die Chance, hier mitzuarbeiten. Das war wie eine Befreiung! Mit zahlreichen Trainings wurde ich von der schüchternen Hausfrau zu einer gefragten Ausbilderin. Ich motiviere die Menschen, ihre Felder – und seien sie auch noch so klein – optimal zu nutzen: auf ökologische Anbaumethoden, lokal angepasstes Saatgut und vielfältige, gesunde Nahrungsmittel zu setzen. Und wieder alte Heilpflanzen zu kultivieren! Der Überschuss kann dann immer noch verkauft werden. Die Kleinfarmer selbst und viele Besucher_innen – auch von staatlichen Stellen und Medien – stehen heute sprachlos vor diesem „grünen Wunder“! Die Modelle, die wir von Shantigram gemeinsam mit ANDHERI HILFE geschaffen haben, finden heute Nachahmung im ganzen Bundesstaat Kerala. Und übrigens: die nahrhaften Jack-Früchte sind heute wieder absolut ‚in‘!“

Suja aus dem Dorf Moonnumukku im südindischen Bundesstaat Kerala fördert seit 14 Jahren mit großem Engagement die neuen kleinbäuerlichen grünen Oasen.
 

(Woche 19)

"Eine neue Generation starker junger Frauen braucht es!"

„Alles begann mit der Gründung einer Frauengruppe in meinem Dorf vor neun Jahren. Hier konnten wir zum ersten Mal offen über Themen sprechen, die uns unter den Nägeln brannten. Und nach Lösungen suchen. Hier sparten wir auch gemeinsam und halfen uns bei Bedarf mit Kleinkrediten. Endlich unabhängig von den Geldverleihern und ihren Wucherzinsen! Nach einigen Jahren gründeten wir mit Unterstützung der ANDHERI HILFE sogar eine eigene Frauenbank: eine ganz neue Dimension für uns Dorffrauen, die meisten Analphabetinnen! Mit einem Kleinkredit kaufte ich mir ein kleines Stück Land, Saatgut und einfache Geräte für meine neue Arbeit als Kleinbäuerin. Mit dem ersten verdienten Geld zahlte ich den Kredit zurück, sparte weiter, nahm dann einen neuen Kredit auf, um Kühe zu kaufen. Und um die Ausbildung meiner Töchter zu finanzieren! Mit den anderen Frauen aus den Selbsthilfegruppen gründeten wir eine Milchkooperative: Gemeinsam können wir unsere Milch für einen guten Preis an eine Molkerei verkaufen. Heute ist dies eine wichtige Einkommensquelle für uns alle. Und wir sind uns einig: Wir setzen alles daran, dass unsere Töchter eine gute Ausbildung oder ein Studium machen können. Wir wollen, dass eine neue Generation starker, selbstbewusster Frauen heranwächst!“

Muni Aththa ist Mitglied der von ANDHERI HILFE und ihrer indischen Partnerorganisation Rural People Education and Development Centre geförderten Frauenbank in ihrem Heimatdorf Edaiyur im südindischen Tamil Nadu.

(Woche 18)

"ANDHERI HILFE hat eine helle Fackel angezündet, die ich voll Dankbarkeit weitertragen will!"

Meine Kindheit war ein einziger Kampf ums Überleben. Die Armut unserer Familie erdrückend. Ich fühlte mich wie ein Ertrinkender im Meer. Keine Perspektive. Nur Frustration. Doch dann hörte ich, ganz in der Nähe würde ein mobiles Ausbildungszentrum aufgebaut – für Jugendliche wie mich. Ohne Schulabschluss. Ohne finanzielle Möglichkeiten. Dank der Spenden aus Deutschland und der ANDHERI HILFE würden junge Menschen aus ärmsten Familien kostenlos ausgebildet. Ich meldete mich sofort – und bekam eine Zusage! In dem sechsmonatigen Kurs wurde ich zum Elektriker ausgebildet. Diese sechs Monate – und die finanzielle Starthilfe zum Aufbau meiner eigenen kleinen Werkstatt – haben mein Leben komplett verändert. Aus Dankbarkeit will ich diese „helle Fackel“ weitertragen: Ich gebe anderen Jugendlichen, die wie ich keine Schule abschließen und keinen Beruf erlernen konnten, die Chance in meiner Werkstatt ein „On-the-job-Training“ als Elektriker zu machen. An Jungs, wie ich selbst einer war.“

Saheen Hossain ist heute 28 und lebt in Boddhopur, einem Dorf in Bangladesch. Er ist einer von tausenden jungen Menschen aus ärmsten Familien, die durch das von ANDHERI HILFE geförderte Mobile-Trade-School-Projekt eine Berufsausbildung machen konnte.

(Woche 17)

"Ich darf mir gar nicht ausmalen, was aus mir geworden wäre ohne Hilfe zur rechten Zeit!"

Ich war eines der ersten Müllkinder - von Zuhause weggelaufen und auf der Straße der Großstadt gestrandet - die vom ANDHERI HILFE Partner Karunalaya gerettet wurden. Das war 1999, und ich war gerade mal 15 Jahre alt. Zu alt, um nochmal die Schulbank zu drücken. Dafür hatte ich viel zuviel verpasst. Aber mit Unterstützung der ANDHERI HILFE konnte ich den Führerschein für eine Autorikscha machen, Sie wissen schon: diese kleinen, dreirädrigen Gefährte, das "Taxi der kleinen Leute". Heute bin ich verheiratet und stolzer Vater von zwei Kindern. Und ich tue das, was ANDHERI HILFE für mich getan hat, als ich ohne Zuwendung und Schutz auf der Straße lebte. Als Fahrer bringe ich vor allem Kinder aus dem Staßenkinderzentrum sicher zur Schule. Und als "Street Worker" bin ich am Bahnhof unterwegs und kontaktiere die Jungs, die gerade neu in der Stadt ankommen. Sie fassen Vertrauen, weil sie spüren, ich teile meine eigene Geschichte mit ihnen. Und kann ihnen echte Hilfe anbieten. Aus tiefstem Herzen danke ich der ANDHERI HILFE und allen Spender_innen in Deutschland! Möge ANDHERI HILFE Wunder wirken im Leben von noch viel mehr Straßenkindern!"


Hari ist heute 33 Jahre alt und arbeitet als "Child Rescue Staff" bei Karunalaya (Zentrum für Straßenkinder und Kinderarbeiter).

(Woche 16)

„Aber was soll denn aus unserer Tochter werden, wenn bekannt wird, dass sie vergewaltigt wurde?“

Das war der Wendepunkt in meiner Arbeit mit den Frauen im Dorf, als ein 8-jähriges Mädchen missbraucht und schwer verletzt wurde. Die Eltern schämten sich, sie zum Arzt zu bringen – aus Angst, dass ihre Tochter dann für immer als geschändet gebrandmarkt sein würde. Ich selbst war mit 13 verheiratet worden, hatte mit 18 schon drei Kinder. Die Schule hatte ich aufgeben müssen – ebenso wie meine Träume. Aber jetzt, mit 35, wurde mir klar, dass sich nie etwas ändert, wenn wir Frauen brav die uns zugeschriebenen Rollen erfüllen und uns in unseren Gruppen vor allem mit Kleinspar- und Kreditprogrammen befassen. Dieser Missbrauch des kleinen Mädchens hat uns alle zu Kämpferinnen gemacht. Auch wenn Hilfesuchende manchmal sogar nachts an meine Tür klopfen, ich bin so froh, dass ich diesen Frauen helfen kann. Und ich bin stolz, heute sagen zu können, dass es in unserem Distrikt – ganz im Gegensatz zu den Nachbardistrikten – kaum noch Fälle von Vergewaltigungen, Hexenverfolgung, Kinderheirat und Menschenhandel gibt! Und doch haben wir noch einen weiten Weg zu gehen, bis wir die Gleichberechtigung der Frauen erreicht und jegliche Diskriminierung von Frauen ausgemerzt haben.

Roshan Ara ist eine der engagierten Mitarbeiterinnen von Chotanagpur Sanskritik Sanghi: Die ANDHERI HILFE fördert die Arbeit dieser Organisation in Ranchi, Jharkhand/Indien.

(Woche 15)

„Ihr könnt doch im modernen, aufstrebenden Indien des 21. Jahrhunderts nicht mehr wie Wilde in den Wäldern leben!“

Ja, es stimmt: Bis vor wenigen Jahren lebten wir als Jäger und Sammler in den Wäldern, als Nomaden, weil wir von Mutter Erde nie zu viel nehmen wollten. Wie unsere Vorfahren seit Jahrtausenden. Und dann verlangte die Regierung, dass wir sesshaft werden. Sie gaben uns 70 Yanadhi-Familien winzige Landparzellen, gerade genug für unsere einfachen Lehmhütten. Doch wovon sollten wir leben? Als wir rund um unsere Hütten ein wenig Getreide anbauten, wurde unsere Ernte zerstört. CAMEL-Mitarbeiter_innen wurden unsere Rettung: Sie klärten uns über unsere Rechte auf, machten uns Mut. Gemeinsam beschlossen wir, für ein Stück Land zu kämpfen, einfach zum Überleben. Mich, Thupakula Ankaiah, wählten sie zu ihrem Führer. Alle Anträge brachten aber nichts. 2009 entschlossen wir uns dann zu einem drastischen Schritt: 100 Yanadhis setzten sich vor das Regierungsbüro und ich erklärte unseren „Hungerstreik bis zum Tod". Was für ein Kampf folgte in den nächsten Jahren – gar nicht so sehr mit den Regierungsleuten sondern mit den Großgrundbesitzern! 2016 - am Tag der indischen Unabhängigkeit, dem 15. August – wurden wir endlich stolze Landbesitzer!

 

Thupakula Ankaiah ist unser Veränderer der Woche. Die ANDHERI HILFE fördert gemeinsam mit der Partnerorganisation CAMEL Adivasi (indigene Bevölkerungsgruppen) im Südosten Indiens, damit sie sich ein Leben in Würde aufbauen können.

(Woche 14)

„Ein Mädchen aus dem Slum will studieren? Arbeiten soll sie!“

Ich kann meiner Mutter gar nicht genug danken, dass Sie mir die Möglichkeit gibt zu studieren! Als drittes Kind in der Familie – das zweite Mädchen dazu! – meine Mutter Dienstmagd und mein Vater nach einem Unfall arbeitsunfähig, konnte ich darauf wahrlich nicht hoffen. Zu verdanken habe ich das auch der ANDHERI HILFE-Partnerorganisation CWDR: Sie haben die Hausangestellten-gewerkschaft gegründet, in der meine Mutter den Mut und die notwendige Hilfe fand, uns drei Kindern ein Studium zu ermöglichen. Und wir, die Töchter der Hausangestellten, haben uns ebenfalls zusammen geschlossen. In unseren „Snehidi"-Gruppentreffen diskutieren wir über alles, was uns wichtig ist: von Bildungschancen für Mädchen bis zu sexualisierter Gewalt. Ich leite inzwischen selbst eine Gruppe und unterstütze die jüngeren Mädchen dabei, die Schule gut zu schaffen. Großen Erfolg haben wir auch mit unserer Tanz- und Theatergruppe: über unsere Vorführungen können wir auch sensible Themen in der Öffentlichkeit ansprechen. Uns ist es ein Herzensanliegen, dass kein Mädchen mehr vor 21 Jahren verheiratet wird und dass jedes Mädchen eine Ausbildung oder ein Studium machen kann! Dafür kämpfen wir!

 

Die 18-jährige Vishali lebt mit ihrer Familie im Bharathinagar Slum in Chennai und die ANDHERI HILFE Partnerorganisation CWDR ermöglicht ihr durch Übernahme der Gebühren ihr Studium.

(Woche 13)

„Eine Frau im Gemeinderat? Wo gibt’s denn so was?!“

Das war eine unglaublich harte Zeit, als ich begann, an Treffen der ANDHERI-Partnerorganisation USS teilzunehmen und sogar eine eigene Frauengruppe aufbaute. Arm wie meine Familie war, hatte ich kaum zur Schule gehen können, war früh verheiratet worden – mit dem arbeitslosen Mihir Kumar. Mit meinem Einkommen als Teepflückerin musste ich die sechsköpfige Familie ganz allein durchbringen.  

Die Frauengruppe gab mir erstmals Hoffnung auf ein besseres Leben. Dass ich besondere Führungsqualitäten habe, das hatte ich bis dahin selbst nicht geahnt. Doch im Laufe der Zeit baute ich acht weitere Frauengruppen auf, setzte mich für Latrinenbau, sauberes Trinkwasser und Schulbesuch aller Kinder ein. Gleichzeitig konnte ich dank des Spar- und Kleinkreditprogramms unserer Gruppe einen eigenen Laden aufbauen, wo mein Ehemann endlich wieder Arbeit fand. Nach und nach konnten wir auch fünf Kühe kaufen. Jetzt reicht unser Familieneinkommen, dass wir sowohl unserem Sohn als auch unserer Tochter den Schulbesuch ermöglichen können! Und stellen Sie sich vor: 2016 wurde ich – als Frau! – in den Gemeinderat gewählt. Jetzt kann ich noch mehr bewirken zur Verbesserung der Lebensbedingungen der Ärmsten!

 

Kavita Karmaker lebt im Phoolbari Teegarten im Nordosten von Bangladesch, wo die ANDHERI HILFE gemeinsam mit der Partnerorganisation USS ein integriertes Entwicklungsprojekt fördert.

(Woche 12)

„Ich schwöre es: Ich werde meine Tochter Rajeswari der Göttin weihen, wenn sie nur wieder gesund wird!“

Ich war sieben und schwer krank, als meine Mutter diesen Schwur tat, von dessen Bedeutung ich nicht die leiseste Ahnung hatte. Ohnedies verstand ich so vieles nicht. Wieso waren wir keine normale Familie, wieso schauten die Leute im Dorf meine Mutter, meine Brüder und mich oft so böse an? Dabei konnte meine Mutter so schön tanzen. Bei den großen religiösen Festen wurden ihre Darbietungen bewundert und man sagte sogar, sie sei eine Mathamma, eine Stellvertreterin der Göttin. Als meine Mutter mich dann mit 11 der Göttin weihen wollte, da intervenierten Nune Vengaiah und seine Mitarbeiter_innen von DUTIES vehement. Ich verstand erst nach und nach, dass sie mich vor einer lebenslangen Zwangsprostitution retten wollten – dem Schicksal meiner Mutter.

Nune Vengaiah war es auch, der mich ermutigte, die Schule zu besuchen – auch wenn ich es manchmal kaum ertragen konnte, wie die anderen Kinder mich hänselten und misshandelten. Aber ich habe es geschafft – sogar einen Bachelor-Abschluss. Es erfüllt mich mit Freude, als Krankenschwester Menschen helfen zu können und damit gleichzeitig meine Familie zu unterhalten. Und nebenher arbeitete ich ehrenamtlich bei DUTIES: um anderen Töchtern von Mathammas Mut zu machen: „Gleich wo Ihr herkommt, nehmt Euer Leben in die Hand und macht was draus!"

Seit mehr als 20 Jahren kämpfen DUTIES und ANDHERI HILFE gemeinsam gegen die religiös verbrämte Zwangsprostitution in Andhra Pradesh/Indien. (Woche 11)

„Ihr solltet alle verflucht sein und elendig an der Lepra verrecken!“

So viel Hass hatte ich noch nie erlebt. Und hier schon gar nicht erwartet. Schließlich war ich voll von gutem Willen in diese menschenunwürdige Ansammlung von Hütten gekommen, um den Leprakranken dort Hilfe zu bringen. Es brauchte eine ganze Weile, bis ich verstand, dass das Ausgestoßenwerden von der Gesellschaft, sogar von der eigenen Familie, diese Menschen noch mehr leiden ließ als die Krankheit selbst. Und es brauchte ebenso lange, bis diese Menschen auch nur einen Hauch von Vertrauen zu mir fassten, mir wenigstens zuhörten; bis sie mir erlaubten, eine Ärztin mitzubringen; bis sie glauben konnten, dass die Medikamente, die sie ihnen verschrieb, sie wirklich heilen konnten. Nach zwei Jahren waren alle Patienten geheilt – wenn auch die Spuren der Krankheit, die Verstümmelung der Gliedmaßen, für immer sichtbar bleiben würden. Gemeinsam mit der ANDHERI HILFE gingen wir die nächsten wichtigen Schritte: winzige Strohhütten wurden durch feste Häuser ersetzt, Toiletten und ein kleines Gesundheitszentrum gebaut. Und schließlich wurden Einkommensprojekte gestartet, z.B. ein Fischteich angelegt. Niemand ist heute mehr zum Überleben aufs Betteln angewiesen! Stolz nennen die Menschen Ihr Dorf: „Navajeevan Nagar" – „Neues Leben"

Emmanuel Pathil: Mit ihm begann die ANDHERI HILFE Anfang der 1990er Jahre ihre Arbeit mit Leprakranken in Osten Indiens (Woche 10)

„Was willst Du denn bewirken bei mehr als einer Million Blinder!“

Ich hatte Glück. Konnte meine Facharztausbildung in Augenheilkunde in London machen. Doch als meine Heimat 1971 endlich zu einem freien Land wurde, BANGLADESCH „geboren wurde", da hielt mich nichts mehr. Aber mein Enthusiasmus wurde in einer staatlichen Klinik schnell gebremst: viel zu wenig Ärzte, zu wenig Infrastruktur und viel zu viele Blinde - mehr als eine Million! Die allermeisten von ihnen viel zu arm, um einen Arzt zu bezahlen – und viel zu weit weg von der Stadt und damit den wenigen Augenärzten. Ich hatte einmal mehr Glück: Rosi Gollmann, die engagierte Gründerin der ANDHERI HILFE, besuchte unser armes Land und war ebenso wie ich davon beseelt, den Menschen zu helfen, die unsere Hilfe am meisten brauchen. Und so ließen wir uns von der Größe der Herausforderung nicht abschrecken, sondern begannen einfach mit der Sammlung von Spenden und der Operation des ersten Patienten. Was wir seitdem gemeinsam erreichen konnten, das hat unsere damaligen Träume noch übertroffen: Hunderte von Augenärzten und Pfleger_innen haben wir ausgebildet, acht Augenhospitäler aufgebaut und weitere Zentren zur augenärztlichen Grundversorgung, unsere Eye-Camps in den entlegenen ländlichen Gebieten wurden berühmt. Mehr als 1,3 Millionen Licht bringende Operationen haben wir ermöglichen können! Und wir machen weiter!



Professor Rabiul Husain, Augenarzt und „ANDHERI-Partner der ersten Stunde" in Bangladesch

(Woche 9)

"Adivasi sind nun einmal hinterwäldlerisch!"

Ich weiß, wie man über uns redet, die Adivasi, die immer noch - wie viele Generationen vor uns - in den Wäldern leben. Naiv und ungebildet - das sind nur einige der Attribute, die uns zugeschrieben werden. Meine Eltern konnten tatsächlich nicht zur Schule gehen: Es gab einfach keine! Trotzdem wissen meine Eltern sehr viel! Zu meiner Kinderzeit starteten SAPID und ANDHERI HILFE erstmals einen Kindergarten in meinem Dorf. Ich liebte das Singen, Spielen und Lernen! Doch wie sollte es weitergehen? Eine Schule gab es nach wie vor nicht. Meine Lehrerin ermutigte meine Eltern, mich in ein Internat zu schicken, wo Adivasi-Kinder kostenlos unterrichtet werden. Das war nicht einfach - weder für meine Eltern noch für mich. Doch meine Lehrerin besuchte mich regelmäßig und half mir sehr. Sie förderte mich die ganze Schulzeit über, bis ich mein Studium der Informationstechnik erfolgreich als Bachelor abschloss. Heute arbeite ich als Datenanalystin bei Google und verdiene richtig gut. Für viele Jugendliche in meinem Dorf bin ich zum Vorbild geworden. Mir ist es wichtig, dieses "moderne" Leben zu leben und dabei meine Wurzeln dennoch zu bewahren: regelmäßig besuche ich meine Familie, fördere meine jüngeren Geschwister und ermutige die Kinder und Jugendlichen in unserem Dorf: Ihr habt viele Talente! Nutzt sie!



Sodi Rajeshwari: aus dem Adivasi-Dorf in die Welt der Computer und Datananalysten (ANDHERI HILFE Projekt mit der Partnerorganisation SAPID im indischen Bundesstaat Andhra). (Woche 8)

„Du bist jetzt verheiratet. Du gehörst ins Haus und bist Eigentum Deines Mannes!“

Ich war erst 15, als ich verheiratet wurde. Gerade hatte ich die 10. Klasse beendet und so viele Träume. Ende aus. Das war’s, so schien es. Doch dann hörte ich vom CHOLAI-Projekt: Meine Freude war riesig, als ich im Kinderzentrum als Lehrerin arbeiten durfte und 22 Kinder der Steinbruchfamilien unterrichten konnte. Ich hab’s geschafft, dass die Regierung jetzt dieses Zentrum weiterführt! Und in der staatlichen Schule endlich Toiletten gebaut hat, denn vorher brachen viele Mädchen die Schule ab. In 10 Dörfern leben Familien, die auf Suche nach Arbeit hierher migriert sind und in den Ziegelbrennereien für Hungerlöhne schuften. Ihre Kinder arbeiteten von klein auf mit. Ich begann, sie am Abend zu unterrichten. Schließlich erreichte ich es, dass die Regierung sog. „Brückenkurse“ finanzierte und heute gehen alle Kinder dieser 10 Dörfer zur Schule! Damit die Familien ohne das Einkommen der Kinder durchkommen, brauchen sie natürlich alternative Einkommensmöglichkeiten. Deshalb unterrichte ich Frauen in der „Women Business School“: 127 Frauen habe ich bereits in der Herstellung von Modeschmuck ausgebildet und 82 von ihnen sind heute erfolgreiche Kleinunternehmerinnen! Ich bin stolz und glücklich, zu solchen Entwicklungen beitragen zu können!


Samundeeswari (Samu) befreite im ANDHERI HILFE-CHOLAI-Projekt alle Kinderarbeiter in 10 Dörfern in Tamil Nadu/Südindien (Woche 7)

„Lass uns versuchen zu fliehen! In diesem Gefängnis gehen wir zugrunde!“

Immer wieder waren diese Stimmen zu hören, wenn wir wieder einmal von früh bis spät in der Reismühle schuften mussten und die Aufseher uns drangsalierten, als seien wir Sklaven. Es gab nur eine Mahlzeit pro Tag. Wir waren schwach, unsere Kinder oft krank. Wir lebten in armseligen Behausungen. Es war, als seien wir im Gefängnis. Aber: Wenn wir fliehen würden, wovon sollten wir leben? Außerdem fürchteten wir uns vor der drohenden Bestrafung. Doch ein Mann aus unserer Mitte konnte entwischen. Er setze sich mit HELP in Verbindung und zwei Tage später wurden wir – alle 30 Familien – von der Polizei befreit. Es war ein langer, steiniger Weg, bis wir mit Unterstützung von HELP und ANDHERI HILFE unsere eigene Ziegelkooperative aufgebaut haben. Aber wir schafften es! Heute leben wir in Freiheit und sehen unsere Kinder sicher und glücklich aufwachsen.


Ravi, ehemaliger „Schuldknecht“ und heute stolzer Teilhaber einer Ziegelkooperative in Tamil Nadu/Südindien
(Woche 6)

„Wir müssen es eben hinnehmen, dass Mütter und Neugeborene sterben!“

Ich hielt es einfach nicht mehr aus! Immer wieder dieser stumme Schmerz, wenn wieder einmal eine junge Mutter bei der Geburt starb - oder aber ihr Baby - oder beide. Ich sprach mit den Frauen im meiner Frauengruppe. Ja, es stimmt, unsere Dörfer sind so abgelegen, dass kein Arzt hierher kommt. Umgekehrt ist auch der Weg in das nächste Krankenhaus kaum zu schaffen, wenn es bei einer Geburt kritisch wird. Aber ich hatte eine andere Idee: Wenn ich, Bobita, eine Frau aus ihrem Dorf, als Hebamme ausgebildet wäre, dann könnte ich diesen Frauen jederzeit helfen. Schließlich lebe ich mit ihnen hier, in ihrem Dorf. Die Frauen unterstützten mich uns so wurde ich im ANDHERI HILFE Projekt der SKS-Foundation als Hebamme ausgebildet. Ich untersuche die Frauen regelmäßig während der Schwangerschaft, gebe ihnen - und ihren Familien - wichtige Hinweise, worauf sie achten müssen. Natürlich kann ich keinen Arzt ersetzen, aber ich kann erkennen, wenn eine schwierige Geburt bevorsteht. In diesen Fällen kann ich die Frau rechtzeitig in die nächste Klinik bringen. Inzwischen kennen mich die Ärzte und Klinikmitarbeiter in der ganzen Region. Wenn Bobita eine Patientin an sie überweist, dann funktioniert das. Sie wissen, dass ich mich auskenne, was uns gemäß staatlichen Gesundheitsprogrammen zusteht! Ich bin zutiefst dankbar, immer und immer wieder das Leben von Frauen und Neugeborenen retten zu können!

Bobita, Hebamme aus Bangladesch

(Woche 5)

"Du bist so schwarz wie ein Rabe!" "Nein, der sieht aus wie Rabenscheiße!"

"Rabenscheiße", so haben mich Mitschüler und Lehrer tagein, tagaus geschimpft - meine ganze Schulzeit lang. Bei Sport und Spiel durfte ich nicht mitmachen, doch wenn die Toiletten zu reinigen waren, dann war ich derjenige, der gerufen wurde. Ich wäre daran zerbrochen, hätte ich mir nicht einen inneren Panzer aus Stahl zugelegt. Millionen Dalit, "Unberührbare", zerbrechen an derartiger Diskriminierung. Doch ich wollte mir diese Chance, überhaupt zur Schule gehen zu können, nicht entgehen lassen. Ich habe gelernt zu kämpfen - ohne Gewalt aber mit nie endender Zähigkeit. Dennoch hätte ich mir nie erträumen lassen, was wir erreicht haben: Im gesamten Distrikt Tumkur im Südwesten Indiens gibt es heute so gut wie keine Diskriminierung von Dalits mehr! Und wir nennen uns auch nicht mehr Dalits (die Zerbrochenen), sondern Adijan, "die ersten Bewohner". Wir haben erstmals zu unserer Würde gefunden! Und gelernt, unsere Rechte einzufordern, z.B. das uns entwendete Land wieder erkämpft. Das ist unsere Lebensgrundlage. "Mutter Erde" gehört uns nicht, doch sie ist unsere Lebensspenderin!

M.C. Raj, Tumkur/Südwestindien
(Woche 4)

"Bilde Dir ja nicht ein, dass jemals etwas anderes aus Dir wird als eine Dienstmagd!"

"Bilde Dir ja nicht ein, dass jemals etwas anderes aus Dir wird als eine Dienstmagd!" Wie oft habe ich diesen Satz als Kind gehört! Schon als kleines Mädchen musste ich im Haushalt einer reichen Familie schuften. Für ein paar Rupien - und die Essensreste. Vom Besuch einer Schule konnte ich nicht einmal träumen. Ich glaubte, was man mir sagte: Ich war für ein Leben als Dienstmagd bestimmt.
Doch dann kamen Frau Renuka vom Centre for Women's Development and Research und die ANDHERI HILFE in mein Leben. Zum ersten Mal hörte ich etwas von Frauenrechten, Menschenrechten, Regierungsprogrammen, Fördermöglichkeiten. Ich habe alle Informationen förmlich aufgesogen. Es hat mich fasziniert zu erfahren, dass es Möglichkeiten gibt, mein Leben und das so vieler meiner Leidensgenossinnen zu verändern. Seit 15 Jahren bin ich jetzt dabei, und stellen Sie sich vor: Ich bin inzwischen die Leiterin der ‚Hausangestelltengewerkschaft' und vertrete damit die Rechte von mehr als 5.000 Slumfrauen! Wir haben bereits so viel erreicht: eine Verdoppelung unserer Löhne, staatliche Zuschüsse bei Unfall oder der Geburt eines Kindes. Wir setzen uns auch vehement gegen Gewalt an Mädchen und Frauen ein. Und meinen beiden Töchtern habe ich den Schulbesuch ermöglicht, so schwer das auch war. Beide haben sogar studiert. Ich bin sehr stolz!

 

Yamuna, Leiterin der Hausangestelltengewerkschaft in Chennai/Südindien
(Woche 3)

“Wenn Du meinst, Du willst mit den Adivasi* arbeiten, dann leb’ erst einmal ein Jahr lang mit in ihren Lehmhütten mitten im Wald!”

*Adivasi = indigene Bevölkerungsgruppen

Ganz ruhig klang die Antwort meines Vaters, als ich – die junge Studentin aus der Stadt – nach meinem ersten kurzen Aufenthalt in Adivasidörfern nach Hause kam und voller Enthusiasmus erklärte, ich wolle mit diesen Menschen arbeiten. Und was tat ich? Genau das, was mein Vater mir geraten hatte! Ich ging in die Adivasidörfer und lebte mit diesen Menschen! Inzwischen habe ich mein halbes Leben dort verbracht! Allerdings war ich weitsichtig genug, zunächst mein Jurastudium abzuschließen, denn so kann ich die Adivasi am wirkungsvollsten unterstützen: In ihrer Heimat am Godavari Fluss ist nämlich ein gigantischer Staudamm geplant. Mehr als 400 Dörfer werden für immer in den Fluten verschwinden. Mehr als 300.000 Menschen, die hier ihre Heimat haben, die hier verwurzelt sind, droht die Vertreibung – besonders jenen, die keine schriftlichen Landdokumente besitzen. Wir haben es jetzt geschafft, tausenden Familien die ihnen zustehenden Besitzurkunden für ihr Land zu erstreiten. Das wird sie wohl nicht vor der Vertreibung retten. Aber wenigstens haben sie jetzt eine reelle Chance auf eine angemessene Umsiedlung. So bleibt meine Hoffnung, dass sie nicht auf den Straßen der Metropolen enden, sondern sich und ihren Kindern ein Leben in Würde aufbauen können. Ich bleibe an ihrer Seite!

 

ANDHERI HILFE Partnerin Meera Khader, SAPID (Study Action Group for Participative Integrated Development), Hyderabad/Indien  (Woche 2)

"Du bist ein Träumer, wenn Du denkst, dass Du die Kinder aus den Steinbrüchen befreien kannst!"

Seit ich zum ersten Mal 5-, 6-jährige Kinder im Staub und Lärm eines Steinbruchs Steine klopfen sah und begriff, dass sie dies jeden Tag 10, 12 Stunden lang tun mussten um zu überleben, da schwor ich mir: Ich will es schaffen, diese Kinder in die Schule zu bringen! ANDHERI HILE machte mir Mut! Ich fing an mit Kindergärten für die Kleinsten, damit die Mütter sie nicht mit in den Steinbruch nehmen mussten; dann mit dem Angebot, dass die Kinder wenigstens am Abend 2-3 Stunden etwas lernen durften. Förderung der Eltern zur Verbesserung ihres Einkommens schaffte die Voraussetzung, dass die wenigen Cents, die die Kinder verdienten, nicht mehr überlebensnotwendig waren. Jugendlichen haben wir zu einer Berufsausbildung verholfen. Heute sind unsere Kinderparlamente Vorbild für viele! Und als eine Dokumentarfilmerin zur Illustration des Erreichten ein oder zwei Kinderarbeiter zeigen wollte, da musste ich passen: In unserer ganzen Region im Distrikt Kancheepuram gibt es nicht mehr ein einziges Kind im Steinbruch oder anderer gefährlicher Arbeit!

 

ANDHERI HILFE Partner Devanbu, ACDS (Association for Community Development Services), Kancheepuram/Südindien (Woche 1)